Zurück in die Erde

Erste unterirdische CO2-Speicher in Ketziner Testanlage einsatzbereit

Das europäische Pilotprojekt CO2SINK zur Speicherung von Treibhausgas unter der Erde geht in die nächste Phase. Die ersten Komponenten in der Testanlage im brandenburgischen Ketzin sind nach Angaben des Potsdamer Geoforschungszentrums (GFZ) nun einsatzbereit.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Ketzin/Potsdam (ddp/sm) - Die bereits abgeschlossene Injektionsbohrung mit einer Tiefe von 803 Meter sei am Mittwoch nach einer Auftakt-Konferenz erstmals in Betrieb genommen worden. Die eigentliche Speicherung des die Ozonschicht zerstörenden Kohlendioxids werde im Herbst erfolgen, hieß es. Naturschützer kritisierten unterdessen das Projekt.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) betonte, dass Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum keine Gegensätze seien. Die Kohleverstromung müsse jedoch umweltfreundlicher werden. Darum sei die Entwicklung neuer, weitgehend CO2-freier Kraftwerkstechnologien wichtig für die Zukunft der Braunkohlenutzung. Fossile Energiequellen würden im künftigen Energie-Mix weiterhin benötigt, sagte er.

Der brandenburgische Europa-Staatssekretär Gerd Harms bezeichnete das 2004 gestartete Vorhaben als eine der "hoffnungsvollsten Technologien zur Reduzierung der Treibhausgase". Es sei eine Chance, Kohle als Energieressource weiterhin einsetzen zu können, ohne den Klimawandel zu forcieren. Bis 2009 sollen in die Testanlage 60.000 Tonnen Kohlendioxid gepumpt werden. Über zwei weitere mit Messgeräten ausgestattete Bohrlöcher wollen die Forscher prüfen, wie sich gelöstes CO2 in der Tiefe verhält.

Der Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Thomas Rachel, sagte, derzeit fehle es noch an verlässlichen Daten über eine langfristige CO2-Speicherung im Untergrund. Die Wechselwirkungen mit den Gesteinen müssten untersucht werden, um die industrielle Nutzung der Technologie mittelfristig zu ermöglichen. Das Bundesforschungsministerium stellt für Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet für die nächsten drei Jahre 45 Millionen Euro zur Verfügung.

BUND will alternativlosen Kohleausstieg

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte einen "alternativlosen Ausstieg aus der klimaschädlichen Braunkohleverstromung". Es sei ungeklärt, ob die kostenintensive Speicherung überhaupt funktioniere und betriebswirtschaftlich sinnvoll sei, kritisierten die Naturschützer. Es ließen sich maximal 70 Prozent der CO2-Emissionen eines Kraftwerkes isolieren. Der Aufwand für die Technologie, die voraussichtlich nicht vor 2020 tatsächlich einsatzbereit sei, würde eine Erhöhung der Strompreise um 50 bis 70 Prozent nach sich ziehen.

Zudem warnte der BUND, Kohlendioxid könne schon in Konzentrationen ab fünf Prozent in der Atemluft für den Menschen gefährlich werden. Ab acht Prozent trete nach 30 bis 60 Minuten der Tod ein, hieß es weiter. 1967 mussten laut BUND schon einmal Bewohner eines Dorfes bei Ketzin evakuiert werden, weil giftiges Kohlenmonoxid aus einem unterirdischen Speicher ausgetreten war. Die Projekt-Beteiligten wiesen am Mittwoch in Potsdam allerdings jegliche Sicherheitsbedenken zurück.

Das Vorhaben wird den Angaben zufolge in Zusammenarbeit mit 18 Partnern aus neun europäischen Ländern realisiert. Erstmals wird untersucht, wie CO2 in tief gelegenen, mit Salzwasser gefüllten, porösen Gesteinsschichten eingebracht und gespeichert werden kann. Das Pilotprojekt wird von der EU, dem Bund und dem Land Brandenburg unterstützt. Die Koordination liegt beim Potsdamer Geoforschungszentrum.