Bundesweites Interesse

Erste Geothermie-Tiefenbohrung in Hessen

In Hessen soll erstmals Erdwärme aus rund 800 Metern Tiefe als Energiequelle genutzt werden. Seit Donnerstag schraubt sich nahe des Groß-Umstädter Ortsteils Heubach ein Bohrmeißel in den Untergrund des Odenwalds. Ein mittelständischer Industriebetrieb soll ab dem Frühjahr 2012 mit Energie zum Heizen und Kühlen versorgt werden.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Groß-Umstadt (dapd/red) - "Als erneuerbare Energie hat Geothermie größtes Potenzial", sagte Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU), die das Arbeitsgerät per Knopfdruck in Gang setzte. Das Darmstädter Unternehmen Südhessische Energie AG (HSE) will die so gewonnene Kraft für die Versorgung eines Heubacher Industriebetriebs nutzen.

Umwälzanlagen sollen bereits im Frühjahr Wasser in das verrohrte Bohrloch hinab und wieder nach oben pumpen. Die Wärme nehme in der Tiefe des Erdreichs um rund drei Grad Celsius pro 100 Meter zu, erklärte Stefan Schneider vom ausführenden Bauunternehmen. 800 Meter unter der Erdoberfläche herrsche konstant eine Temperatur von 25 bis 30 Grad. Die Wärme des aus der Tiefe wieder hochgepumpten Wassers kann als Energiequelle genutzt werden.

Interesse bundesweit groß

Das Land unterstützt das rund 700.000 Euro teure Vorhaben im Odenwald nach Angaben des Umweltministeriums mit über einer halben Million Euro. Das Geld fließt an die HSE sowie an das Landesamt für Geologie und die Uni Kassel. Beide Institutionen begleiten das Projekt wissenschaftlich. Durch die Gewinnung von Bohrkernen aus unterschiedlichen Tiefen seien Gesteinsuntersuchen möglich, sagte Puttich: "Das Interesse an den Ergebnissen ist bundesweit groß."

Der dem Bohrloch benachbarte Betrieb will die angelieferte Energie zum Heizen und Kühlen nutzen. Die beim Vortrieb in die Tiefe angewandte Technik sei anspruchsvoll und führe durch Granitgneis, erklärte Bauingenieur Schneider. Das an der Erdoberfläche knapp 50 Zentimeter breite Bohrloch verjünge sich am Ende auf 20 Zentimeter. Risiken auf dem Weg in die Tiefe seien nicht auszuschließen. Schneider zitierte eine Bergmannsweisheit: "Vor der Hacke ist es immer dunkel."