2. "architekturimpulse"

Erleben "historische" Materialien ihre Renaissance?

Energiebilanz und architektonische Nachhaltigkeit - diese Themen standen im Mittelpunkt der Diskussion um die Verwendung von "alten" Baumaterialien.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com
Die Architektur hat das Holz wiederentdeckt, schon längst. Seit der Betonung der Nachhaltigkeit als Leitbild der Architektur erleben viele "historische" Materialien - begünstigt durch moderne Verarbeitungstechniken - ihre Renaissance. In der zweiten Veranstaltung der Diskussionsreihe "architekturimpulse" setzte sich geballte Prominenz auf dem Podium mit den Vor- und Nachteilen von Materialien, Trends und Traditionen auseinander.

Nach dem Auftakt im vergangenen Oktober in Düsseldorf hat die Energieagentur NRW ins Kölner Wallraf-Richartz-Museum geladen. Im Zentrum der Podiumsdiskussion, die zusätzlich von mehreren Tausend Interessierten auch wieder live im Internet verfolgt wurde, standen die Energiebilanz und die architektonische Nachhaltigkeit. "Wenn wir den Bauwerken die Lebenszeit eines Automobils geben, wird die Gesellschaft in Zukunft die Denkmalpfleger durch die Schrotthändler ersetzen müssen", plädierte die Frankfurter Journalistin und Architekturkritikerin Petra Hagen für eine bewusste Wahl dauerhaft haltbarer Materialien. Dr. Rainer Budde, Direktor des Wallraf-Richartz-Museums, setzt sich dafür ein, dem Architekten die gestalterische Freiheit zu belassen. Die Beschränkung auf bestimmte Baustoffe könne auch kontraproduktiv sein: "Das Material bestimmt die Form."

In seinen Begrüßungsworten hatte Dr. Norbert Hüttenhölscher, Leiter der Energieagentur NRW, auf die aktuellen und drängenden Fragen der Material-Wahl in der Architektur hingewiesen. Heute gehe es um den Energieaufwand bei der Herstellung der Materialien, die Schadstoffemission, die Wiederbenutzbarkeit und die Recyclingfähigkeit, so Hüttenhölscher. Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass die moderne Architektur - anders als in der Vergangenheit - heutzutage bei der Verwendung von Materialien immer seltener auf deren regionale Verfügbarkeit Rücksicht nehmen muss. Trotzdem habe es keine Wende zur "Beliebigkeit" gegeben - auch wenn Beton, Stahl und Glas nicht mehr die weltweite Architektur-Entwicklung dominieren. Generell sei erkennbar, dass der Anspruch auf Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren einen zunehmenden Einfluss auf die Architektur gehabt habe. Das drücke sich in der gestiegenen Popularität des Holzes – nicht zuletzt Werkstoff bei zahlreichen EXPO-Bauten - aus.