Unterirdischer Wärmetauscher

Erdwärmekraftwerk in Bad Urach rückt einen Schritt näher

In Bad Urach im Kreis Reutlingen liegen aufgrund einer geothermischen Anomalie in tiefen Gesteinsschichten außergewöhnlich hohe Temperaturen vor. Deshalb haben die Stadtwerke Bad Urach, die REPower Systems AG und die EnBW ein Forschungsprojekt zur Erschließung tiefer Erdwärme gestartet und jetzt einen unterirdischen Wärmetauscher geschaffen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Im Rahmen des von den Stadtwerken Bad Urach, der Hamburger REPower Systems AG und der EnBW Energie Baden-Württemberg AG im Frühjahr 2002 aufgelegten Forschungsprojekts zur Erschließung tiefer Erdwärme in Bad Urach (Kreis Reutlingen) ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Durch ein "Stimulation" genanntes Verfahren ist es der Forschergruppe um die Stadtwerke Bad Urach gelungen, das heiße Gestein in einer Tiefe von 3400 bis 4400 Metern hydraulisch so "aufzubrechen", dass eine Art unterirdischer Wärmetauscher entstanden ist. Dieser Wärmetauscher aus Tiefengestein, in dem 160 bis 175 Grad Celsius herrschen, ist eine wesentliche Voraussetzung für die spätere Wärmenutzung.

Die Erdwärmegewinnung in Bad Urach erfolgt nach dem Hot-Dry-Rock-Verfahren. Dabei wird Wasser über ein erstes Bohrloch in die Tiefe gepresst. Dort wird es auf seinem Weg durch die nun durch das Aufbrechen entstandenen Gesteinsklüfte erhitzt. Über ein zweites, weiter entferntes Bohrloch wird das heiße Wasser wieder an die Erdoberfläche gepumpt. Die Herausforderung bei der "Stimulation" liegt darin, das Gestein in einem räumlich begrenzten Bereich aufzubrechen, damit das eingebrachte Wasser das zweite Bohrloch erreicht und nicht verloren geht. Hierzu wurde auch die Fließrichtung des Wassers in der Tiefe und damit der günstigste Punkt für das noch erforderliche zweite Bohrloch ermittelt. "Unser Ziel ist die Demonstration der Strom- und Wärmeerzeugung aus tiefer Geothermie. Wenn alles glatt läuft, wird in Bad Urach noch 2003 mit der Errichtung des ersten Erdwärmekraftwerks in Deutschland begonnen", erläutert Dr. Wolfram Münch, Leiter des Unternehmensbereichs Forschung, Entwicklung und Demonstration der EnBW.

Für das Forschungsprojekt eignet sich der Standort Bad Urach besonders gut, weil dort wegen einer geothermischen Anomalie in tiefen Gesteinsschichten außergewöhnlich hohe Temperaturen vorliegen. Wesentlich unterstützt wird das Projekt Bad Urach unter anderem mit Mitteln aus dem Zukunfts-Investitions-Programm der Bundesregierung. Die geplante Leistung von einem Megawatt würde für die Versorgung von 2000 Haushalten mit Strom reichen. Die Restwärme stünde für die regionale Wärmeversorgung zur Verfügung.