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Erdwärme erobert den Markt

Ein unscheinbares Geschäftshaus im Emsland: Im rechten Gebäudeteil befindet sich eine Fahrschule, in der Mitte eine Bank. Linker Hand hat die Geothermische Vereinigung - Bundesverband Geothermie ihren Sitz. Sie ist Europas Vorreiter für die Energiegewinnung aus Erdwärme, deren Boom bevorsteht.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Geeste (ddp-nrd/sm) - Während viele Lobbyistenverbände die Nähe der Politik suchen und daher nach Berlin gezogen sind, mögen es die Promoter dieser sauberen Energiequelle beschaulich. Jede Menge Kommunikationselektronik und stapelweise Literatur prägen die kargen Räumlichkeiten. Trotzdem will man sich nicht in Bescheidenheit üben. "Wir sind der zweitstärkste Geothermieverband der Welt", sagt Geschäftsführer Werner Bußmann nicht ohne Stolz.

680 Mitglieder aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich gehören der Vereinigung an. Darunter befinden sich allein 150 Unternehmen. Was vor 15 Jahren als kleiner wissenschaftlicher Zirkel begann, hat sich zu einem Fachverband entwickelt, der viele Projekte auf den Weg gebracht hat. Inzwischen gibt es in Deutschland die ersten Erdwärmekraftwerke. In Kommunen wie Erding und Unterschleißheim (Bayern) sowie Neustadt-Glewe und Waren/Müritz (Mecklenburg-Vorpommern) decken zahlreiche öffentliche Gebäude sowie 10 000 Wohneinheiten ihren Energieverbrauch durch Erdwärme. 150 weitere Versuchsfelder in der ganzen Republik wurden genehmigt. Selbst in Privathaushalten setzt sich diese alternative Energieform immer mehr durch, seitdem die oberflächennahen Erdwärmesysteme Marktreife erreicht haben. "Wir erwarten für das laufende Jahr 25 000 neue Anlagen", sagt Bußmann. Hintergründe seien auch die stetig steigenden Kosten für Erdgas und Erdöl.

Dem 59-Jährigen ist die Begeisterung für Geothermie jederzeit anzumerken. Der gelernte Lehrer hat sich frühzeitig als Fachjournalist auf das Thema Energie konzentriert. Seit den 80er Jahren befasst er sich mit der Geothermie. Als der Verband gegründet wurde, ernannte man ihn zum Schriftführer. Heute leitet er die Geschäftsstelle und kann sich kaum noch um etwas anderes kümmern. "Bis vor zwei Jahren war Niedersachsen ein weißer Fleck auf der Geothermie-Landkarte. Heute steht in jedem Dorf eine Anlage", zeigt sich Bußmann begeistert.

Um solche Erfolge zu erzielen und überhaupt als alternative Energiequelle wahrgenommen zu werden, habe man lange kämpfen müssen. "Jahrelang wurden Wind und Sonne mit Millionen subventioniert und wir aus der Portokasse abgespeist", sagt Bußmann. Erst mit der rot-grünen Bundesregierung und der Auflage erster Förderprogramme habe sich das ab 1998 geändert.

Etwas zornig wird der Emsländer auch, wenn er auf die großen Energieunternehmen angesprochen wird. "Einige Energieriesen suchen die Nähe zur Politik, um eine weitere Ausbreitung der Geothermie zu verhindern." Anders sei das bei einigen Herstellern von herkömmlichen Heizungsanlagen. Sie hätten zwischenzeitlich den neuen Markt erkannt und bauten auch Erdwärmesondenanlagen. Preislich gesehen könnten die Geothermie-Anlagen sehr wohl mit der Konkurrenz mithalten, sagt Bußmann. Eine Anlage koste rund 15 000 Euro. Die Mehrkosten von durchschnittlich 5000 Euro sollen sich in acht Jahren amortisieren. Anschließend hätten die Hausbesitzer bis auf einen geringen Strombedarf für die Wärmepumpe keinerlei Heizkosten mehr. "Wer heute neu baut und auf Öl oder Gas setzt, ist mit dem Klammerbeutel gepudert", sagt Bußmann.

Von ddp-Korrespondent Normann Berg

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