WEG-Hauptversammlung

Erdöl- und Ergasproduzenten warnen vor hohen Abgaben

Die deutschen Erdöl- und Erdgasproduzenten haben trotz des drastischen Ölpreisanstiegs im vergangenen Jahr nur geringfügig mehr verdient als 2005. Grund sind nach Angaben des Vorsitzenden des WEG, Gernot Kalkoffen, erheblich gestiegene Förderabgaben an den Staat.

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Hamburg (ddp/sm) - Hinzu kämen explosionsartig gestiegene Kosten in der Industrie etwa auf dem Stahlsektor, erläuterte der Chef des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG). Die Branche habe im Vergleich zum Vorjahr ein weitgehend konstantes Produktionsvolumen erzielt, sagte Kalkoffen heute in Hamburg. Dies sei jedoch nur durch einen verstärkten Investitionsaufwand möglich gewesen, um die sinkende Lagerstättenergiebigkeit abzufangen.

Kalkoffen zufolge kommen etwa 90 Prozent der inländischen Erdgasproduktion aus Lagerstätten in Niedersachsen. Das Land habe jedoch im vergangenen Jahr die neben den normalen Unternehmenssteuern erhobenen Förderabgaben für Erdgas um zusätzlich 500 Millionen Euro erhöht, kritisierte der Weg-Vorsitzende. Während die Produzentenerlöse für Gas im Jahresdurchschnitt um 30 Prozent zugenommen hätten, seien im gleichen Zeitraum Förderabgaben und -zinsen um 60 Prozent auf insgesamt mehr als eine Milliarde Euro gestiegen.

Auch für 2007 habe Niedersachsen zum dritten Mal in Folge eine weitere Erhöhung beschlossen. "Damit müssen wir aufpassen, nicht Gefahr zu laufen, dass wir in Deutschland künftig keine neuen Reserven mehr erschließen können", warnte Kalkoffen. Mit Bohrungen, die 25 Millionen Euro oder mehr kosteten, werde man in Deutschland auf lange Sicht nicht mehr fördern können. Zudem seien beim Öl die Produktionskosten in Deutschland sehr hoch.

Insgesamt lieferte die Branche aus In- und Ausland 26,3 Millionen Kubikmeter Erdgas und 15,6 Millionen Tonnen Erdöl. Die rund 40 WEG-Mitgliedsfirmen konnten ihre Förderung 2006 etwa auf Vorjahresniveau halten. Aus dem Inland kamen Kalkoffen zufolge 3,5 Millionen Tonnen Erdöl (2005: 3,6) und 18,6 Milliarden Kubikmeter Erdgas (2005: 18,8). Damit habe die deutsche Erdgasproduktion wieder einen Anteil von fast einem Fünftel an der Versorgung des inländischen Marktes. Dies entspreche zudem einem Volumen von mehr als der Hälfte aller russischen Gasimporte.

Dies sei jedoch nur durch erhebliche Investitionen möglich gewesen. Diese seien im In- und Ausland 2006 um 15 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro gestiegen. Positiver Nebeneffekt: Durch den hohen Investitionsbedarf sei die Zahl der Beschäftigten in den entsprechenden Industriezweigen um zehn Prozent gestiegen. Die Unternehmen der Branche wollen deshalb neue Ressourcen erschließen. 2006/07 werden Kalkoffen zufolge allein in Niedersachsen bis zu zehn neue Explorationsbohrungen niedergebracht, erheblich mehr als in den Vorjahren. Zudem liege die Trefferwahrscheinlichkeit trotz schwieriger Verhältnisse in der Erde mittlerweile bei bis zu 50 Prozent. Vor zehn Jahren habe die Quote noch bei fünf zu eins gelegen.

Weltweit gibt es nach WEG-Angaben derzeit Gasressourcen noch für mehrere hundert Jahre. Ölvorkommen in unterschiedlicher Form könnten den Prognosen zufolge für mehr als einhundert Jahre reichen.