Wintershall

Erdöl-Suche im Allgäu wieder aufgenommen

Mit Erdöl lässt sich aufgrund der gestiegenen Nachfrage wieder mehr Geld verdienen. Konzerne wie die BASF-Tochter Wintershall lassen da nicht lange auf sich warten und nehmen alte Ölfelder wieder ins Visier. Begonnen wurde mit Probebohrungen in Bedernau und Lauben im Allgäu.

Erdölförderung© TebNad / Fotolia.com

Bedernau (dpa/red) - In Bedernau, einem kleinen Ort im Unterallgäu, wird nach langer Pause wieder nach Erdöl gebohrt. Wie ein Fremdkörper wirkt das stählerne Bohrturmgerüst inmitten grüner Wiesen und Maisfelder. Vor allem bei Dunkelheit, wenn der knapp 40 Meter hohe Turm beleuchtet ist, zieht er die Blicke der Menschen auf sich, die in der Umgebung wohnen.

BASF startet Erkundungsbohrungen

Vergangene Woche hat die BASF-Tochter Wintershall dort eine Erkundungsbohrung gestartet. Seitdem wird der Meißel pausenlos durch verschiedene Gesteinsschichten in die Tiefe getrieben, im Schnitt schafft er 300 Meter am Tag. Die Experten hoffen darauf, in 1.500 Metern Tiefe auf den kostbaren Rohstoff zu stoßen - und investieren dafür Millionen Euro.

Weitere Bohrungen in Lauben

"Ziel ist, die Erdölförderung in Bayern auszubauen und den Standort zu stärken", sagt Mark Krümpel, Sprecher des Unternehmens mit Sitz in Kassel. Bedernau ist nicht der einzige Ort im Allgäu, an dem Wintershall nach Öl sucht. Bereits im August gab es eine Erkundungsbohrung im nur wenige Kilometer entfernten Lauben. Sie ist inzwischen abgeschlossen. "Jetzt werden die Ergebnisse der Probebohrung analysiert. Bis Jahresende können wir sagen, ob sich an diesem Standort eine längerfristige Ölförderung lohnt", sagt Krümpel.

Erdölförderung in der Vergangenheit

Normalerweise sind es Bilder von grünen Wiesen, grasenden Kühen oder Schloss Neuschwanstein, für die das Allgäu bekannt ist. Der stählerne Bohrturm gehört nicht dazu. Dabei wurde an den beiden Standorten im Unterallgäu früher schon über Jahrzehnte hinweg schwarzes Gold gefördert.

In den 1980er Jahren war die Erdölförderung in Lauben aufgrund niedriger Ölpreise eingestellt worden, Mitte der 1990er Jahre endete die Förderung in Bedernau - dem ehemals bedeutendsten Ölfeld Bayerns. Dort hat Wintershall eigenen Angaben zufolge innerhalb von drei Jahrzehnten fast zwei Millionen Tonnen Erdöl aus dem Boden geholt.

Gestiegener Ölpreis

Inzwischen sei eine Förderung wieder lukrativ, sagt Krümpel. "Durch den gestiegenen Ölpreis und effizientere Fördermethoden lohnt es sich, wieder in alte Ölfelder zu investieren." Zudem hätten geologische Untersuchungen neue Potenziale ergeben. Mehrere Millionen Euro kosten die Erkundungsbohrungen in Bedernau und Lauben. Eine genaue Summe nennt das Unternehmen nicht. Wenn die Ergebnisse positiv sind, wäre ab 2016 eine Erdölförderung im Allgäu wieder denkbar.

Größte Fördermengen aus Aitingen

Nach Angaben des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung ist Wintershall der größte Erdöl-Produzent Deutschlands. Auch in Bayern ist das Unternehmen schon länger aktiv. Von den rund 46.000 Tonnen, die 2013 von den drei bayerischen Ölfeldern aus dem Boden gepumpt wurden, kam der überwiegende Teil aus den schwäbischen Wintershall-Bohrstätten Aitingen (37.500 Tonnen) und Schwabmünchen (7.300 Tonnen). Im oberbayerischen Hebertshausen nördlich von München förderte die RWE Dea AG im vergangenen Jahr knapp 1.200 Tonnen Erdöl.

Unterstützung der Versorgungsicherheit

Es sind jeweils vergleichsweise geringe Mengen angesichts von 1,4 Millionen Tonnen Öl, die jedes Jahr auf Deutschlands größtem Ölfeld, der Bohr- und Förderinsel Mittelplate vor der schleswig-holsteinischen Küste, gefördert werden. Trotzdem will Wintershall sein Engagement in Süddeutschland ausweiten.

Im Wettlauf um die weltweiten Energierohstoffe gewinne die heimische Erdölförderung an Bedeutung, sagt der Leiter der süddeutschen Betriebe, Rainer Ihl. "Jede Förderung vor der eigenen Haustür unterstützt die Versorgungssicherheit." Zudem steigere sie das technologische Know-how des Unternehmens, das für internationale Projekte und Energiepartnerschaften im Ausland von Bedeutung sei.

Quelle: DPA