Keine Auslagerung

Eon will Kernenergie-Geschäft doch behalten

Der deutsche Energiekonzern Eon wollte eigentlich sein Atomgeschäft an die neu gegründete Tochter Uniper auslagern. Nun hat man es sich offenbar anders überlegt: Betrieb und Rückbau sollen in der Hand von Eon bleiben. Indes kündigt sich ein dickes Minus für die Jahresbilanz an.

EON© E.ON SE

Düsseldorf (dpa-AFX/red) - Der größte deutsche Energiekonzern Eon wird sein Kernenergiegeschäft nicht wie ursprünglich geplant auf die neue Gesellschaft Uniper übertragen. Der verbleibende Betrieb und Rückbau der deutschen Erzeugungskapazität aus Kernenergie gehe nicht auf Uniper über, sondern bleibe in der Verantwortung von Eon, teilte der Konzern am Mittwochabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Die grundsätzliche Aufspaltung in zwei Unternehmen sei davon nicht berührt. Diese verlaufe im Zeitrahmen. Wegen hoher Abschreibungen wird der Konzern auch im laufenden Jahr mit einem dicken Minus abschließen.

"Mit dieser Entscheidung beugen wir Risiken für die Umsetzung unserer Konzernstrategie vor", sagte Eon-Chef Johannes Teyssen. "Wir können und wollen nicht auf etwaige politische Entscheidungen warten, die die Abspaltung von Uniper verzögern könnten." Deshalb sei aktives Handeln geboten. Uniper gehe zum Jahreswechsel an den Start. Die deutsche Kernenergie solle durch PreussenElektra in Hannover gesteuert werden. Für Eon sei Kernenergie kein strategisches Geschäftsfeld.

Dickes Minus erwartet

Auch die Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen bleibt offenbar schwierig. Wegen der niedrigen Strom- und Rohstoffpreise und den schwierigen Rahmenbedingungen dürfte der Konzern im laufenden Jahr mit einem dicken Minus abschließen. Im dritten Quartal müssten Abschreibungen in der Größenordnung eines "höheren einstelligen" Milliarden-Euro-Betrags verbucht werden.

Die Berichtigung gehe insbesondere auf aktualisierte Annahmen zur Entwicklung von Strom- und Primärenergiepreisen sowie der politischen Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf die erwartete Profitabilität zurück. Im Geschäftsjahr 2015 werde es zu einem erheblichen Fehlbetrag kommen.Es ist der zweite Milliardenverlust in Folge. Der Konzern hatte bereits im vergangenen Jahr wegen der derzeit laufenden Aufspaltung ein Minus von knapp 3,2 Milliarden Euro verbucht.

Für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und den sogenannten nachhaltigen Konzernüberschuss, der Sondereffekte ausklammert, bestätigte Eon die Prognosen. Die Aktionäre sollen zudem trotz des erwarteten Milliardenfehlbetrags wie bisher geplant eine Dividende von 50 Cent je Anteil erhalten.

Genug Geld für den Atomausstieg?

In der Politik waren zuletzt die Zweifel gewachsen, ob der Konzern nach einer Aufspaltung noch für die Abwicklung seines Atom-Erbes gerade stehen kann. Eon betreibt derzeit in Deutschland noch drei aktive Kernkraftwerke und hält Minderheitsbeteiligungen an drei weiteren.

Der Anteil der deutschen Kernenergie am heutigen Erzeugungsportfolio des Konzerns liege bei rund acht Prozent. PreussenElektra werde die drei noch aktiven Kernkraftwerke solide und verantwortungsvoll bis zum Ende der Laufzeit betreiben und den Verpflichtungen für Rückbau und Entsorgung uneingeschränkt nachkommen.

Konzentration auf erneuerbare Energien

Eon werde sich ab dem kommenden Jahr von Essen aus mit weltweit rund 43.000 Mitarbeitern wie geplant auf erneuerbare Energien und Netze konzentrieren. Uniper werden ab 2016 die europäische und internationale Stromerzeugung sowie den globalen Energiehandel mit knapp 14.000 Mitarbeitern von Düsseldorf aus betreiben. Rund 2.300 Eon-Mitarbeiter werden angesichts des Verbleibs der Kernenergie nun doch nicht zu Uniper wechseln. "Den für die Abspaltung vorgesehenen Zeitplan wollen wir weiterhin einhalten. Das ist ambitioniert, aus heutiger Sicht aber machbar", sagte Teyssen.