Großbritannien

Eon und RWE blicken Brexit-Folgen gelassen entgegen

Eon und RWE sind die größten Energieversorger in Deutschland. Beide Firmen sind auch in größerem Umfang in Großbritannien tätig. Das sagen die beiden Unternehmenshäupter zur Brexit-Entscheidung der Briten.

Großbritannien© Kristina Afanasyeva / Fotolia.com

Essen - Die beiden größten deutschen Energiekonzerne Eon und RWE sehen nur begrenzte Folgen des Brexit für ihr wichtiges Geschäft in Großbritannien. "Die Konsequenzen für Eon sind wohl beherrschbar", sagte Eon-Chef Johannes Teyssen am Freitag in Essen. "Unser Geschäft in Großbritannien ist ein regionales." RWE-Chef Peter Terium erklärte: "Ich bin sehr zuversichtlich was unser Geschäft mit Energie und Energiedienstleistungen in Großbritannien betrifft."

Eon- und RWE-Aktien stürzen ab

Eon und RWE haben im Vereinigten Königreich jeweils rund fünf Millionen Strom- und Gaskunden. Aktien beider Unternehmen gehörten am Morgen zu den stärksten Verlierern an der Börse. Kurz nach Handelsauftakt gaben Eon-Papiere fast zehn Prozent nach, RWE-Aktien stürzten sogar um gut 13 Prozent ab.

Terium: Nationale Regulierung ist entscheidend

Terium warnte, dass derzeit niemand genau wisse, welche wirtschaftlichen Folgen der Brexit langfristig haben wird. Sollte es zu Handelshürden kommen, träfen RWE diese aber vermutlich nur am Rande. Die nationale Regulierung sowie die Akzeptanz vor Ort seien für den Geschäftserfolg viel entscheidender. "Daher sollten die ökonomischen Einflüsse eines Brexit auf unser Geschäft auch vergleichsweise gut beherrschbar sein."

Hausinterne Probleme bereits vor dem Brexit

Derzeit plagen RWE in seinem britischen Geschäft ohnehin vor allem hausgemachte Probleme. Weil bei der Tochter Npower die Umstellung eines Computersystems für Abrechnungen völlig misslang, kehrten zahlreiche Kunden dem Konzern den Rücken. Ein dreistelliger Millionenverlust kam in der Sparte deshalb 2015 zusammen. Nun läuft ein Sanierungsprogramm, dem rund 2.400 der zuletzt noch 11.500 Beschäftigten zum Opfer fallen.

Eon-Chef sieht ein Risiko bezüglich der britischen Währung

Eon sieht vor allem in der Abwertung der britischen Währung ein Risiko für seine Ergebnisse. Ein schwaches Pfund führt dazu, dass von Gewinnen auf der Insel bei der Umrechnung in Euro weniger übrig bleibt. Vorstandschef Teyssen betonte zugleich, dass der Konzern auch Schulden in Pfund habe. Das wirke ausgleichend.

"Das Votum ist eine immense Herausforderung - wirtschaftlich, aber mehr noch politisch", sagte Teyssen. Es müsse nun nicht nur in den kommenden Monaten geklärt werden, wie die Europäische Union ihr politisches und wirtschaftliches Verhältnis zu dem Vereinigten Königreich gestaltet. "Vielmehr müssen die europäischen Entscheidungsträger überzeugende Wege finden, wie diese Staatengemeinschaft wieder zu einem Anliegen der Menschen wird - auch wenn wir uns daran gewöhnt haben, viele Jahrzehnte in wachsendem Wohlstand und Frieden zu leben. Man darf dies nie für eine Selbstverständlichkeit halten."

RWE-Chef ist schokiert

RWE-Chef Terium sagte, er sei selbst "schockiert" über die Entscheidung. "Wir verlieren einen starken Mitstreiter für Marktwirtschaft, Eigenverantwortung und Wettbewerb", erklärte der niederländische Manager.

Quelle: DPA