Talsohle

Eon und EnBW im Sog der Energiewende

Eon und EnBW leiden beide unter den Entwicklungen, die sich mit der Energiewende ergeben. Die konventionellen Kraftwerke bringen immer weniger ein, in den Erneuerbaren könnte die Zukunft liegen. Während EnBW sich neu zu erfinden scheint, könnte es für Eon immer weiter bergab gehen.

Strommast© Bernd Boscolo / pixelio.de

Essen (dpa/red) - Deutschlands größter Energieversorger Eon steckt weiter in der Talsohle und die Aktionäre verlieren langsam die Geduld. "In der Stromerzeugung in Europa ist die Situation nach wie vor kritisch. Besserung ist nicht in Sicht", sagte Firmenchef Johannes Teyssen am Mittwoch bei der Hauptversammlung des Konzerns in Essen. 2014 sei kein Umbruch zu erwarten, für 2015 wollte Teyssen trotz Nachfragen von Aktionären weiter keine Prognose abgeben. Mehrere Aktionäre reagierten mit Unmut. "Die Bezüge des Vorstandes sind um weniger als 25 Prozent gefallen, unsere Dividende dagegen um fast 40 Prozent", empörte sich etwa ein Aktionär. Das sei ein "Höhepunkt an Abkassiererei für schlechte Leistung".

Kritikhagel an die Firmenführung

Der Firmenchef musste sich angesichts der Ukraine-Krise auch wegen der milliardenschweren Eon-Investitionen in Russland viel Kritik anhören. "Warum gehen wir in Länder, wo die Freiheit bedroht ist", fragte ein Aktionär. Anlegervertreter Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment kritisierte "geballte Konjunktur-, Korruptions- und Währungsrisiken" bei den außereuropäischen Märkten und forderte: "Keine Experimente mehr."

Russland als Partner

"Wir arbeiten weiterhin gut mit unseren russischen Partnern, Kunden und Mitarbeitern zusammen", betonte dagegen Teyssen. Zwar habe der niedrige Wechselkurs des Rubels das Ergebnis des russischen Stromgeschäfts in Euro um sechs Prozent fallen lassen. Eon habe aber trotzdem 2013 sieben Prozent seines operativen Ergebnisses in Russland erzielt. Für 2015 rechnet Teyssen mit Steigerungen. Das Unternehmen hat in der Region seit 2007 mehr als sechs Milliarden Euro investiert, das Geld ging vorwiegend in neue Kraftwerke. Während der Essener RWE-Konzern seit Anfang April Gas gen Osten liefert, hielt sich Eon bisher zu dem Thema bedeckt.

Gewinn hat sich halbiert

In Europa hat Eon bereits für ein Viertel der konventionellen Kraftwerke die Stilllegung beschlossen. Die Ausschüttung an die Aktionäre soll von 1,10 Euro auf 60 Cent zurückgehen. Vor dem Hintergrund fallender Börsenstrom-Preise und einer niedrigen Auslastung der fossilen Kraftwerke erwartet Eon nach einem drastischen Gewinneinbruch im vergangenen Jahr auch 2014 weitere Rückgänge beim Ergebnis. Eon bestätigte bei der Hauptversammlung die Prognose eines bereinigten Gewinns von 1,5 bis 1,9 Milliarden Euro - 2013 hatte sich der Gewinn bereits auf 2,2 Milliarden Euro fast halbiert.

Gewinnrückgang bei EnBW

Auch EnBW erwartet sinkende Erträge. Der Gewinn werde in diesem Jahr um bis zu fünf Prozent zurückgehen, sagte Vorstandschef Frank Mastiaux am Dienstag auf der Hauptversammlung in Karlsruhe. Angesichts sinkender Erträge aus der Stromerzeugung forciert der Energiekonzern EnBW den Aufbau neuer Geschäftsfelder. Künftig werde der drittgrößte deutsche Stromversorger verstärkt digitale Dienstleistungen für private Haushalte anbieten und Unternehmen beim Energie-Management unterstützen. Die Strompreise für private Haushalte sollen in diesem Jahr stabil bleiben, teilte der Versorger mit.

Plus im Vertrieb erwartet

Eine rückläufige Ergebnisentwicklung erwartet EnBW in diesem Jahr bei Stromerzeugung und Handel (bis zu minus fünf Prozent) sowie im Geschäft mit Energienetzen (minus fünf bis 15 Prozent). Im Vertrieb von Gas, Strom und anderen Produkten erwartet der Konzern ein Plus von zehn bis 20 Prozent, das Geschäft mit erneuerbaren Energien soll um fünf bis 15 Prozent zulegen. "Dazu werden neue Onshore- und Offshore-Windprojekte beitragen", sagte Mastiaux. Im vergangenen Jahr blieb EnBW unterm Strich nur ein kleiner Überschuss von 51 (Vorjahr: 484,2) Millionen Euro, bei einem Umsatzplus von 6,3 Prozent auf 20,5 Milliarden Euro.

Quelle: DPA