Preis sinkt trotz Lieferstopp

Entspannte Lage auf dem Ölmarkt

Die Preise für Rohöl an den internationalen Handelsplätzen zeigen sich auch am Dienstag unbeeindruckt von der anhaltenden Unterbrechung russischer Öllieferungen in mehrere europäische Länder. Die Produktion in den betroffenen deutschen Raffinerien ist den Angaben zufolge derzeit nicht gefährdet.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - In New York, wo der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Light Sweet Crude am Montag kurz auf 57,72 Dollar gestiegen war, mussten am Dienstag etwas weniger als 56 Dollar bezahlt werden. In London fiel der Preis für die Nordseesorte Brent auf unter 55 Dollar.

Händler zeigten sich überrascht von dem deutlichen Preisrückgang angesichts der aktuellen Nachrichtenlage. Denn der Anstieg am Montag war begründet worden mit einem erwarteten Kälteeinbruch im Nordosten der USA und dem Lieferstopp aus Russland. Offensichtlich sei die "bearishe" Stimmung der letzten Wochen, also die Erwartung tendenziell fallender Preise, noch immer anhaltend, hieß es.

Seit Jahresbeginn hat der Ölpreis, der im vergangenen Sommer noch bei 80 Dollar notierte, um gut zehn Prozent nachgegeben. Auch kurzzeitige Unwägbarkeiten, wie der Lieferstopp des russischen Öls, können den Trend offenbar nicht umkehren. So sind wegen des milden Winters in den Hauptverbraucherländern die Lager gut gefüllt und auch die potenziellen Konfliktherde scheinen vorerst entschärft. Experten zufolge spricht vieles dafür, dass der Ölpreis für die nächste Zeit auf dem aktuellen Niveau verharrt.

Ökonomen verschiedener europäischer Wirtschaftsforschungsinstitute hatten Ende vergangenen Jahres die Erwartung geäußert, dass der Rohölpreis nach dem Anstieg von 29 Prozent im vergangenen Jahr nunmehr in den nächsten zwölf Monaten um etwa neun Prozent zurückgehen werde. Bei einer zu erwartenden Abschwächung der Spekulationen an den Rohstoffmärkten angesichts steigender Zinssätze würden die kurzfristigen Preistrends mehr und mehr durch die fundamentalen ökonomischen Daten beeinflusst, hieß es zur Begründung. Mit einem erwarteten langsameren globalen Wirtschaftswachstum schwäche sich die Rohstoffnachfrage ab.

Die Schließung der russischen Erdölpipeline "Drushba" hat bislang keine Auswirkungen auf die Produktion der Total-Raffinerie Mitteldeutschland in Leuna. Ein Sprecher sagte am Dienstag auf ddp-Anfrage, das Unternehmen nutze Vorräte, die die weitere Produktion ermöglichten. Zudem könne alternativ auf Rohöl zurückgegriffen werden, das über die Ostsee angeliefert und von dort nach Leuna gepumpt werde.

Wegen der ausbleibenden Öllieferungen aus Russland hat die PCK Raffinerie GmbH in Schwedt (Brandenburg) ihre Produktion "leicht zurückgefahren". Das Unternehmen produziere nicht mehr an der Kapazitätsgrenze, sagte ein Sprecher am Dienstag auf Anfrage. Derzeit würden Vorräte verarbeitet. Diese Reserven reichten für mehrere Tage. Zudem werde daran gearbeitet, Rohstoffe über eine Pipeline vom Seehafen Rostock nach Schwedt zu beziehen. Die Versorgungssicherheit sei aber nicht beeinträchtigt, betonte der Sprecher.

Von ddp-Korrespondent Michael Wojtek