Geplatze Kraftwerkspläne

Ensdorf: Umweltschützer rechnen mit Signalwirkung des Bürgerentscheids

Die Ablehnung des geplanten Großkraftwerks in Ensdorf hat aus Sicht des BUND eine bundesweite Signalwirkung. Die DUH freut sich, dass der Bürgerentscheid die klimafeindliche Strategie der Energiekonzerne durchkreuzt habe. SPD und FDP sprechen sich für den Bau einer kleineren Anlage aus.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen/Saarbrücken (ddp-rps/sm) - Die Entscheidung gegen das Kohlekraftwerk auch an anderen geplanten Standorten zu einem Umdenken führen, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), Christoph Hassel. RWE sei mit seinen Plänen gescheitert, weil er nicht "die Zeichen der Zeit erkannt" habe. Großkraftwerke auf Steinkohlebasis ohne eine nennenswerte Kraft-Wärme-Kopplung seien eine "Technologie von gestern und nicht mehr zukunftsfähig", betonte Hassel. RWE warf er vor, keine Alternativen in Erwägung gezogen zu haben.

Die Bürgerentscheidung könne nun den Weg frei machen für eine "zukunftsfähige und umweltschonende Energieversorgung nicht nur im Saarland". Aus Sicht des BUND käme dafür am Standort Ensdorf beispielsweise ein Gaskraftwerk mit einer maximalen Leistung von 500 Megawatt in Frage.

Ein Sprecher der Initiative "Bürger für Klima- und Umweltschutz" sagte, das Engagement gegen die Pläne habe sich gelohnt. Zudem stellte er klar, dass man gegen das "Monsterkraftwerk" und nicht gegen ein neues Kraftwerk an sich protestiert habe. Die Deutsche Umwelthilfe gratulierte den Ensdorfern zu deren Entscheidung gegen das Kohlekraftwerk. Die Abstimmung sei von großer Bedeutung, weil damit erstmals ein Stromkonzern zur Aufgabe seiner "klimafeindlichen Weiter-so-Strategie" gezwungen worden sei.

Der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sagte, es sei ein ermutigendes Signal, dass sich die Bürger in Ensdorf gegen Investitionen in veraltete Technologien entschieden haben, obwohl sie mit dem "Jobkiller"-Argument unter Druck gesetzt worden seien.

yDie Gewerkschaft ver.di forderte die Regierung nach dem Entscheid der Ensdorfer auf, wegen der veränderten Situation neue Konzepte für eine zukunftsfähige Energielandschaft im Saarland zu erarbeiten.

Der energiepolitische Experte der saarländischen FDP-Fraktion, Karl-Josef Jochem, warf der RWE "mangelnde Kompromissbereitschaft" vor. Er verwies darauf, dass seine Partei für eine kleinere Lösung mit dem Bau von nur einem statt zwei Blöcken geworben habe. Auch der saarländische SPD-Chef Heiko Maas bezeichnete die Planung für das Kraftwerk als "überdimensioniert". Seiner Meinung nach müsse nun geprüft werden, ob nicht doch ein kleineres Kraftwerk, das dann auch vor Ort auf Zustimmung treffe, gebaut werden könne. Die Partei Die Linke forderte die Regierung dazu auf, den Kraftwerksstandort Saarland zu sichern. Wer heute Kraftwerke bauen wolle, müsse zwingend Kraft-Wärme-Kopplung integrieren.

Große Nachteile befürchtet die Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (SUV) durch den Rückzug von RWE. SUV-Präsident Walter Koch sagte, die wirtschaftlichen Folgen der Ablehnung seien von den Bürgern nicht hinreichend berücksichtigt worden. Er fügte hinzu: "Wir tun so, als käme der Strom aus der Steckdose, das Geld aus Berlin, und die Arbeitsplätze fallen vom Himmel."