Sorge um Energiestandort

Ensdorf hofft nun auf verkleinerte Kraftwerkspläne von RWE

Nach dem erfolgreichen Bürgervotum gegen ein neues Großkraftwerk hoffen die Ensdorfer nun, dass RWE sich nicht ganz zurückzieht. Die Sprecherin einer Bürgerinitiative betonte, der Protest habe sich nicht grundsätzlich gegen ein neues, sondern nur gegen das "Monsterkraftwerk" gerichtet.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Ensdorf (ddp-rps/sm) - Rund 100 Ensdorfer kamen am Mittwochabend ins Bergmannsheim der Gemeinde, um ihren Sieg über den Energieriesen RWE zu feiern. In den vergangenen Wochen war die Veranstaltungshalle immer wieder Schauplatz von großen Redeschlachten gewesen, die sich Gegner und Befürworter des von RWE geplanten Großkraftwerks vor jeweils mehreren Hundert interessierten Bürgern geliefert hatten. Bei der Bürgerbefragung in der vergangenen Woche setzten sich schließlich die Gegner mit einer Mehrheit von 70 Prozent der Stimmen durch.

Sorge um Energiestandort

RWE hatte vor der Abstimmung bereits verlauten lassen, dass man das 1600-Megawatt-Kraftwerk nicht gegen den erklärten Willen der Bevölkerung bauen wolle. Dass der Konzern seine Pläne für das Zwei-Milliarden-Euro-Projekt dann aber gleich am Montag so scheinbar sang- und klanglos beerdigte, kam für manche dann doch überraschend. Nach Auskunft von Bürgermeister Thomas Hartz und Wirtschaftsminister Joachim Rippel (beide CDU) - beide Befürworter des Projekts - hat das Unternehmen zudem signalisiert, dass es keinen "Plan B" für eine kleinere Lösung gebe. Und so mischt sich in den Stolz der Ensdorfer auf ihren Sieg über den Goliath RWE auch ein wenig Sorge um die Zukunft des Standorts.

Bei der Siegesfeier im Bergmannsheim kündigten die Sprecherinnen der "Bürgerinitiative für Klima- und Umweltschutz", Jutta Krüger-Jacobs und Alexandra Riotte, denn auch gleich an, die Initiative werde noch im Frühjahr einen "Zukunftskongress" zur Entwicklung des Energiestandorts Ensdorf ausrichten. Damit wolle man deutlich machen, dass sich der Protest nicht grundsätzlich gegen ein neues Kraftwerk, sondern nur gegen das von RWE geplante "Monsterkraftwerk" gerichtet habe.

Bundesweite Aufmerksamkeit ausgelöst

Mit Stolz berichten die Sprecherinnen der Bürgerinitiative von der bundesweiten Aufmerksamkeit, die die Bürgerbefragung ausgelöst habe. Aus der ganzen Republik gingen inzwischen Interview-Anfragen ein und zahlreiche Bürgerinitiativen an anderen geplanten Kraftwerksstandorten schickten E-Mails nach Ensdorf mit der Frage: "Wie habt ihr das hingekriegt?" Insofern werde die Entscheidung in der 6800-Einwohner-Gemeinde an der Saar sich auch auf die bundesweite Diskussion über die Energiepolitik der Zukunft auswirken, zeigte Krüger-Jacobs sich überzeugt.

Das Wort von der "beleidigten Leberwurst RWE" macht die Runde, nachdem das Unternehmen nach der Bürgerbefragung alle Pläne für einen Kraftwerksneubau am Standort Ensdorf auf Eis gelegt hat. Niemand sei gegen einen Kraftwerksneubau, man habe sich nur gegen das Ausmaß der Pläne zur Wehr gesetzt, ist die einhellige Meinung in dem kleinen Dorf an der Saar. Entsprechend heftig wird kritisiert, dass RWE sich nie auf eine alternative Planung eingelassen habe, etwa auf den Bau eines 500- bis 800-Megawatt-Blocks als Ersatz für das derzeitige Kraftwerk mit seiner Leistung von knapp 450 Megawatt.

RWE hat Bevölkerung nicht eingebunden

Auf Unverständnis stößt zudem vor allem die Kommunikationsstrategie des Energiekonzerns, der zu Beginn der Proteste noch nicht einmal Vertreter zu den Veranstaltungen der Bürgerinitiative geschickt hatte. Es sei doch klar gewesen, dass derartige großindustrielle Anlagen auch Fragen und Bedenken in der Bevölkerung aufwerfen würden, sagt ein Einwohner aus dem benachbarten Schwalbach, dessen Gemeinderat sich gegen das Projekt ausgesprochen hatte. Das Unternehmen habe die Bevölkerung zu spät informiert, nicht eingebunden und schließlich mit einer "teilweise irreführenden" Werbekampagne überzogen, betont auch eine ältere Dame, die gleichzeitig sagt, sie habe sich zum ersten Mal in ihrem Leben an einer Protestaktion beteiligt.

Die Ankündigung, den Genehmigungsantrag für das Großkraftwerk zurückzuziehen, hat RWE noch nicht wahr gemacht. Ein Unternehmenssprecher sagte am Donnerstag auf Anfrage, man werde zunächst die Gründe für die Ablehnung analysieren und dann den Antrag zurückziehen. Einen Zeitpunkt konnte er dafür noch nicht nennen.