Projekte

Energiewende-Sieger gekürt: Selbstversorger verschenken Strom

Im Zuge der Energiewende soll die Stromversorgung in immer größeren Anteilen durch erneuerbare Energiequellen gedeckt werden. Es gibt aber auch Projekte, die sogar darüber hinaus gehen: Eine Gemeinde in Niedersachsen etwa versorgt sich selbst und E-Autos mit grünem Strom.

Stromnetzausbau ÖkostromFünf Projekte zeigen wie die Energiewende besonders innovativ umgesetzt werden kann.© PhotographyByMK / Fotolia.com

Berlin - Am 26. April hat sich die Atomkatastrophe von Tschernobyl zum 30. Mal gejährt. Dass Kernenergie keine Zukunft hat, ist in Deutschland mittlerweile gesetzlich festgelegt: Bis 2022 soll hierzulande das letzte von acht aktuell noch betriebenen Atomkraftwerken vom Netz gehen. Das ist aber nur ein Bestandteil der Energiewende.

Schon seit längerem wird im ganzen Land an sicheren und sauberen Lösungen für die Energieversorgung von morgen gearbeitet. Im Innovationswettbewerb "Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen" wurden besonders innovative Projekte von der Deutschen Bank und der Initiative "Deutschland - Land der Ideen" ausgezeichnet. Fünf davon stellen wir nachfolgend vor:

CO2-Neutraler Bahnhof in Horrem

Wer im nordrhein-westfälischen Kerpen aus dem Zug steigt, betritt einen CO2-neutralen Bahnhof: Die Station des Stadtteils Horrem wird komplett mit Erdwärme beheizt und nutzt Regenwasser als Brauchwasser. Das Gebäudekonzept setzt zudem auf regionale Materialien - und viel Tageslicht: So spart der "Ausgezeichnete Ort" Strom, schont natürliche Ressourcen und macht den Bahnhof für Reisende hell und übersichtlich.

Jühnde gibt Energie an E-Autos ab

Schon seit 2005 erzeugt das kleine Dorf Jühnde in Südniedersachsen Strom und Wärme selbst - und das ausschließlich aus erneuerbaren Quellen wie Getreide oder Gülle. Jühnde war die erste energieautarke Gemeinde in Deutschland und produziert mittlerweile weit mehr Energie als vor Ort benötigt. Die Überschüsse fließen unter anderem in den Betrieb von Elektroautos, die die Dorfbewohner per Carsharing nutzen können.

Kostenloser Strom stabilisiert das Stromnetz

Immer noch fehlt es an leistungsfähigen Speichertechnologien, um die Unregelmäßigkeit grüner Energiequellen abzufangen. Eine Lösung hat das Leipziger Unternehmen "Deutsche Energieversorgung" entwickelt. Das "Econamic Grid" verbindet Haushalte, die über einen eigenen Energiespeicher verfügen, zu einem dezentralen Stromdepot. Wer Teil dieses virtuellen Großspeichers ist, bekommt überflüssigen Strom geschenkt und sorgt für Stabilität im öffentlichen Netz.

Gebündeltes Sonnenlicht sorgt für Wärme

Damit Pflanzen ganzjährig gut gedeihen, brauchen sie viel Licht und Wärme. Im Forschungsgewächshaus der Energie Baden-Württemberg AG wird beides ausschließlich aus regenerativen Quellen gewonnen.

Spezielle Linsen lenken das Sonnenlicht direkt auf die Wasserrohre, sodass es statt der Luft das zirkulierende Wasser erwärmt. Die so gewonnene Energie wird in einen 30 Meter tiefen Erdspeicher geleitet - und von dort wieder abgerufen, wenn es den Pflanzen im Gewächshaus zu kalt wird.

Zuviel Sonnen- und Windstrom auf Pellworm

Auf Pellworm gibt es viel Wind, viel Sonne - und dank einer Kombination aus Photovoltaikfeld und Windkraftanlage auch viel grüne Energie. Nicht selten wird auf der Insel mehr Strom produziert, als die knapp 1.100 Einwohner verbrauchen. Damit solche Überschüsse vor Ort genutzt werden können, hat die Schleswig-Holstein Netz AG gemeinsam mit dem E.ON Forschungsverbund ein intelligentes Stromnetz mit umfangreichen Speichertechnologien entwickelt.