In Südbrandenburg

Energiewald: Im früheren Tagebau wächst Rohstoff für Bio-Heizkraftwerk

Tausende Robinien wiegen sich auf einer riesigen Kippenfläche nahe dem südbrandenburgischen Spremberg im Frühlingswind. "Hier wächst das Futter für das erste Biomasse-Heizkraftwerk in Haidemühl", sagt Holger Grünewald vom Lehrstuhl Bodenschutz und Rekultivierung der Brandenburgischen Uni in Cottbus (BTU).

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Spremberg (ddp-lbg/sm) - Links blasen die Kühltürme des Kraftwerkes Schwarze Pumpe weißen Rauch in die Lausitzer Luft. Weiter rechts wühlt sich der große Abraumbagger in das Erdreich vom Braunkohletagebau Welzow-Süd.

Vor wenigen Tagen entdeckten Mitarbeiter des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege hier eine archäologische Rarität: Sie legten sechs gut erhaltene Buckelgräber aus der Mittelbronzezeit frei. "Vergangenheit und Zukunft liegen hier ganz dicht beieinander", sagt der 34-jährige BTU-Assistent. Nur wenige Kilometer von der Grabungsstätte entfernt erstreckt sich die rund 170 Hektar große Kippenfläche. Seit dem vergangenen Jahr sind hier auf einem etwa 17 Hektar großen Teilstück rumänische Robinien - im Volksmund auch Akazien genannt - gesetzt worden.

"Die 40 Zentimeter langen Stecklinge schießen jetzt wie Pilze in die Höhe", sagt Grünewald. Pro Jahr legen die schnell wachsenden Energie-Bäume rund einen Meter zu. Im Spätherbst 2007 kommt zum ersten Mal eine Mais-Erntemaschine. Sie kürzt die dann etwa 1,80 Meter großen Robinien auf ein Schrumpfmaß von zehn Zentimetern und macht Hackschnitzel aus ihnen. "Stehen bleibt nur noch ein Stumpf, der aber sehr schnell wieder nachwächst", sagte der Fachmann.

Die Experten rechnen im nächsten Jahr mit der ersten Holz-Ernte von etwa 140 bis 170 Tonnen für das neue Biomasse-Heizkraftwerk des Tagebau-Umsiedlungsorts Neu-Haidemühl. Rund 1500 Tonnen sollen es jährlich werden, wenn die gesamte Kippenfläche abgeerntet wird. "Bis zum Jahr 2008 soll die Welzower Kippenfläche vollständig mit schnell wachsenden Bäumen bestellt sein", kündigt Grünewald an. Zu den erstmals gesteckten deutschen Robinien werden dann auch noch schnell wachsende Pappeln kommen.

"Die Kippe in Welzow-Süd wird zu einem riesigen Energiewald und zu Deutschlands einmaligem Naturlabor", hatte der Vattenfall-Vorstandsvorsitzende Klaus Rauscher bei der Einweihung des Haidemühler Biomasse-Heizkraftwerkes im April angekündigt. Das sei ein Beitrag des Energiekonzerns für eine umweltgerechte Energieversorgung. Bis zur großen Ernte von der Kippe kommen 22 000 Tonnen Biomasse als Holzhackschnitzel von den Tagebauvorfeldern als geschreddertes Kronen-, Ast- und Wurzelholz. 4000 Tonnen Frischholz liefern die Südbrandenburger Forsten zu.

Das von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) eingeweihte Biomasse-Heizkraftwerk Haidemühl liefert Wärme für die 185 Mietwohnungen, 120 Eigenheime und öffentlichen Einrichtungen in Neu-Haidemühl sowie Strom, der ins Netz eingespeist wird. Das alte Dorf Haidemühl musste dem Tagebau Welzow-Süd weichen. Neu-Haidemühl mit heute 510 Einwohnern ist ein neuer Ortsteil von Spremberg.

Von ddp-Korrespondentin Brita Beyer