Klimawandel

Energieversorger fürchten um Qualität des Trinkwassers

Durch die zu erwartenden Klimaveränderungen werden für einige Versorger millionenschwere Investitionen erforderlich sein. Das könne kleinere Anbieter an den Rande des Ruins treiben, hieß es. Nun wollen die Versorger eine Verfassungsklage gegen das neue bayerische Wassergesetz einreichen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Nürnberg (ddp/red) - Das Gesetz werde speziell kleinere Stadtwerke treffen, die über autarke Trinkwasservorkommen verfügen, sagte der Geschäftsführer des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW), Jörn-Helge Möller, am Donnerstag in Nürnberg. Thema des Informationstags des VBEW war zudem, wie sich die ausgiebigen Regenfälle und das örtliche Hochwasser der vergangenen Tage auf die Trinkwasserversorgung auswirken.

Dabei gaben die Vertreter des Verbands und des Nürnberger Versorgers N-Ergie Entwarnung. Dies sei kein Problem, sagte etwa Thomas Ries, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft der N-Ergie. "Vor zwei Wochen wäre die Pegnitz fast über die Ufer getreten", sagte er und zeigte auf die Wiese, die dann zum Überschwemmungsgebiet wird. In einem solchen Fall würden die dortigen Quellen einfach abgeschaltet, weil das eindringende Oberflächenwasser zu Verunreinigungen führen könnte. Bei kleineren Wasserversorgern könnte dies jedoch zu Problemen führen, so dass eventuell Keime mittels UV-Anlagen oder zusätzlichen Filtern abgetötet werden müssten, ergänzte VBEW-Geschäftsführer Möller.

Viel mehr als die aktuelle Situation beschäftigt die Experten die Zukunft. Die zunehmend zu erwartenden Starkregenfälle könnten das Grundwasser verunreinigen, sagte Möller. Deshalb seien speziell Kommunen in Südbayern derzeit dabei, sich ein zweites Standbein im Bezug auf die Wasserversorgung aufzubauen. Dies werde "einige Millionen" Euro kosten. "In Nordbayern haben wir dagegen aber mit der Fernwasserversorgung ein System, das auch Kommunen mitversorgen kann, die künftig Probleme haben werden", sagte Möller.

Als weitere Auswirkung des Klimawandels nannte Mirjam Bergold von N-Ergie die künftig auftretenden Spitzen beim Wasserverbrauch aufgrund der zu erwartenden höheren Temperaturen. "Nach allem was wir wissen, wird es diesen Effekt geben", sagte sie. Dieser steigende Wasserverbrauch stehe aber weder unmittelbar bevor, er sei auch "nicht gravierend".

Aufgrund der längeren Zeiten ohne Regen könnte es künftig zu einem "Verteilungskampf" darüber kommen, ob das Wasser als Trinkwasser oder für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen und etwa von Weinbergen genutzt wird. "Im Konfliktfall wird dann entscheidend sein, was vorgeht - Wein oder Wasser", sagte Bergold. VBEW-Vorstandsmitglied Gerhard Moser berichtete in diesem Zusammenhang von abgelehnten Anträgen zweier Landwirte in Unterfranken, die mit Grundwasser Kartoffeln und Obst bewässern wollten.

Derzeit sei die Qualität des bayerischen Trinkwassers so gut, dass es selbst Kranke, Säuglinge und Senioren genießen könnten, sagte Bergold: "Unser Wasser ist mikrobiologisch einwandfrei." Der Nitratgehalt liege bei über 75 Prozent des im Freistaat gewonnenen Wassers bei unter 25 Milligramm pro Liter, es gebe es "definitiv keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln". Und was an Arzneimittelrückständen gefunden wurde, sei "weit entfernt von jeglicher Wirkungsschwelle".

Die Versorger planen eine Verfassungsklage gegen das seit 1. März in Bayern geltende Wassergesetz. Es enthalte Regelungen, die nur die Versorger und damit auch Bürger im Freistaat zusätzlich belaste, lautete die VBEW-Kritik. Vorstandsmitglied Moser sagte im Bezug auf die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht: "Wir planen sie, brauchen nur noch den geeigneten Musterfall." Sobald ein entsprechender Fall vorliege, werde diese in Ansprache mit dem bayerischen Gemeindetag auf den Weg gebracht.

Die Kritik des Verbands richtet sich speziell gegen die Ausgleichsansprüche in Wasserschutzgebieten auch beim Bau neuer landwirtschaftlicher Betriebsanlagen. Was etwa an zusätzlichen baulichen Maßnahmen nötig sei, müsse der Versorger bezahlen, sagte Möller. Aktuell gebe es entsprechende Anfragen etwa im Bezug auf mehrere Biogasanlagen und einen Mutterkuhzuchtbetrieb. "Das sind keine Peanuts", sagte Möller. Diese Zusatzausgaben trieben gerade kleinere Versorger "an den Rande des Ruins".