Der China-Faktor

Energieverbrauch weltweit um 2,4 Prozent gestiegen

Angetrieben vom Wachstum Chinas und anderer Staaten ist der globale Energiebedarf letztes Jahr erneut deutlich gestiegen. Weltweit sei der Energieverbrauch 2006 um 2,4 Prozent gewachsen, sagte Christof Rühl, designierter Chef-Volkswirt der Deutschen BP, heute bei der Vorstellung der jüngsten BP-Statistik zur Weltenergie in Berlin.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp.djn/sm) - China verbrauchte dem Bericht zufolge allein 15,6 der Energie weltweit und war damit zweitgrößter Konsument hinter den USA (21,4 Prozent). "Der weltweite Energieverbrauch ist in den vergangenen fünf Jahren dramatisch gestiegen", sagte Rühl. Pro Jahr habe der Verbrauch durchschnittlich um drei Prozent zugenommen. Der Bedarf verlagere sich dabei zunehmend weg von den wirtschaftsstarken Ländern hin zu den Entwicklungsländern. Das globale Wirtschaftswachstum werde vor allem von diesen Staaten angeschoben - und entsprechend hoch sei ihr Energiebedarf.

Weil ein Großteil dieser Länder auf Kohle setze, habe die Nachfrage nach diesem Brennstoff im vergangenen Jahr stärker zugenommen als nach jedem anderen Energiestoff, sagte der Ökonom. Vor allem in China sei der Bedarf enorm: Im vergangenen Jahr wurde laut BP-Statistik fast 40 Prozent der weltweit nachgefragten Kohle dort verbraucht.

Mit dem zunehmenden Einsatz von Kohle sei auch der Schadstoffausstoß deutlich angestiegen, mahnte Rühl. Seit 2001 hätten die globalen CO2-Emissionen jährlich im Schnitt um 3,4 Prozent zugenommen. Dieser Zuwachs sei eine Verdreifachung gegenüber der vorherigen Fünfjahresperiode.

Der Bericht zeige, dass die Energienachfrage schnell auf Preisentwicklungen reagiere: Würden Öl und Erdgas teurer, setzten die Länder mehr auf Kohle. "Wenn es entsprechend einen Preis für CO2-Emissionen gäbe, könnte man den Schadstoffausstoß regulieren", meinte Rühl. "Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass wir so etwas bald haben werden - zumindest nicht global", schränkte er ein.

Trotz der weiter steigenden Zahlen des Energieverbrauches verlangsame sich der Zuwachs allmählich, sagte Rühl. Grund für Dämpfer des Wachstumstempos seien steigende Energiepreise. 2005 hatte der weltweite Verbrauch laut Statistik noch um 3,2 Prozent zugenommen gegenüber 2,4 Prozent in 2006.

"Mit dem starken Weltwirtschaftswachstum sind die Energiepreise rapide nach oben gegangen", sagte Rühl. Die Gaspreise hätten in den vergangenen fünf Jahren um 75 Prozent zugelegt, die Ölpreise hätten sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt, und Kohle sei seit 2001 um 46 Prozent teurer geworden. "Es ist zu erwarten, dass die Preise bis zum Ende der Dekade hoch bleiben werden", meinte Rühl.

Die Ölreserven sind laut BP-Statistik 2006 leicht gewachsen. Damit setze sich ein Trend früherer Jahre fort, sagte Rühl. Lege man die aktuelle Produktionsrate zu Grunde, seien Reserven für mehr als 40 Jahre vorhanden. Die Erdgas-Reserven würden nach dieser Berechnung rund 63 Jahre reichen und die Kohlereserven über 140 Jahre, zählte der Volkswirt auf: "Es gibt aus unserer Sicht keinen Anlass zu befürchten, dass der Welt die fossilen Brennstoffe in den nächsten Dekaden ausgehen."