Strom sparen

Energiespar-Check für einkommensschwache Haushalte

Unterwegs mit Beratern der Caritas: In sieben hessischen Städten hilft die Aktion "Energiespar-Check" einkommensschwachen Haushalten beim Stromsparen. Im Schnitt sei bislang ein Einsparpotenzial von rund 140 Euro pro Haushalt und Jahr erreicht worden.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Frankfurt/Main (dapd/red) - Auf der Deckenlampe mit vier Halogenstrahlern hat sich bereits Staub angesammelt. Sie ist kaputt. "Zum Glück, das Ding ist ein echter Stromfresser", meint Roderich Klein. Er ist Energiesparberater der Caritas in Frankfurt am Main. Für seine Kunden ist die Debatte über vielleicht steigende Strompreise von geradezu existenzieller Bedeutung.

Strom sparen ist vor allem für Geringverdiener wichtig

An einkommensschwache Haushalte richtet sich die von der Caritas und dem "Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschland" initiierte Aktion "Stromspar-Check". Sie wird unter anderem vom Bundesumweltministerium und vom Jobcenter unterstützt. Angesprochen werden Haushalte, die entweder Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Wohngeld beziehen. Die Berater sind ehemalige Langzeitarbeitslose, die für ihre neue Aufgabe geschult wurden.

An diesem Vormittag besuchen Klein und sein Kollege Steven Höfler die Einzimmerwohnung von Sven-Norman Machleid. Der 42-jährige gelernte Krankenpfleger ging nach der Diagnose einer MS-Erkrankung 2006 in Rente. Er lebt von 650 Euro im Monat und bessert seine Kasse gelegentlich auf, indem er bei Pflegerprüfungen hilft. "Aber am Monatsende wird es immer eng", erzählt er. Die knapp 90 Euro Abschlag, die er für Strom zahlt, schlagen da ordentlich zu Buche.

Besonders Standby-Betrieb kann teuer werden

Rund eine Stunde nehmen Klein und Höfler sich Zeit in der kleinen Wohnung, in der auf engem Raum ein Bett, ein Tisch, vier Stühle, eine Kommode und zwei Hasen Platz finden. Auf dem Schreibtisch steht der Computer, auf einem Metallregal befinden sich Fernseher, Boxen und Receiver.

Die Berater stellen viele Fragen: Welche Glühbirnen werden verwendet, wie lange ist die Lampe an, wie oft läuft die Kaffeemaschine? Mit einem Messgerät gehen sie dem Stromverbrauch der einzelnen Geräte nach, im laufenden Zustand und auf Standby.

Gerade der Bereitschaftsbetrieb ist ein echter Kostenfaktor. Eine ebenso wirksame wie schlichte Empfehlung lautet deshalb: "Alles abschalten, wenn es nicht benutzt wird", rät Klein.

Strom sparen: Projekt läuft seit sechs Jahren

Der 53-Jährige ist seit drei Jahren als Energiesparberater der Caritas in dem Projekt unterwegs, das es mittlerweile in rund 70 Städten gibt. In Hessen können sich Menschen in Kassel, Gießen, Wetzlar, Wiesbaden, Darmstadt, Offenbach und Frankfurt beraten lassen. In der größten hessischen Stadt startete das Pilotprojekt 2005.

"Knapp 2.000 Haushalte haben wir seitdem beraten", sagt Marlene Potthoff. Sie ist beim Caritasverband Frankfurt für die Stromsparer zuständig und sieht einen ständig wachsenden Bedarf. "Spätestens wenn die Jahresabrechnung kommt, beschäftigen sich noch mehr Menschen mit dem Thema."

Machleid macht sich schon längst Gedanken. Er hat einen energiesparenden Kühlschrank und eine entsprechende Waschmaschine, in den Hähnen sorgen Perlatoren für einen geringeren Wasserdurchlauf und damit für weniger Kosten. Und selbst der Fernseher stellt sich als durchaus sparsam heraus, obwohl es sich um ein älteres Modell handelt. Beim Abschalten, gibt Machleid zu, könne er allerdings noch konsequenter sein.

Sparen als Summe der Kleinigkeiten

"Eine Verhaltensumstellung ist das Wichtigste", sagt Höfler. Dabei gehe es nicht um Verzicht, sondern um bewusste Nutzung: Licht beim Verlassen des Raumes ausmachen und Kühlschrank nicht zu kalt einstellen, Spülmaschine immer komplett befüllen und Wäsche im Sommer an der Luft statt im Trockner trocknen. Das klingt banal. "Aber die Kleinigkeiten läppern sich", sagt Klein.

Weiteres Geld bleibe durch eine Umstellung der Produkte, etwa auf Energiesparlampen, in der Kasse. Die Haushalte, die am "Energiespar-Check" teilnehmen, erhalten kostenlos eine Ausstattung im Wert von bis zu 70 Euro: schaltbare Steckdosen, Kühlschrankthermometer oder einen Wassersparduschkopf.

Für viele Menschen sei die Anschaffung eine zu hohe Hürde, sagt Potthoff. Dabei lohne sich die Kombination von bewusstem Einkaufen und Verhalten. Durchschnittlich knapp 140 Euro hätten die bisher in dem Projekt in Frankfurt beratenen Haushalte jährlich gespart; Strom, Wasser und Heizenergie zusammengenommen.

Für Machleid erarbeiten Höfler und Klein eine eigene Analyse und geben individuelle Empfehlungen. Diese werden bei einem zweiten Treffen besprochen. Dann bauen die Berater auch die neuen Leuchtmittel ein. Eine Lampe geht dann sicher für immer aus. "Die Halogenstrahler sind Quatsch", sagt Klein.