Atomausstieg oder längere Laufzeiten?

Energiepolitik: Die Wahlprogramme der Parteien

Während Union und FDP ungeachtet des jüngsten Störfalls im AKW Krümmel die Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke verlängern wollen, lehnen SPD und Grüne dies strikt ab. Die Linke fordert sogar einen Sofortausstieg aus der Nutzung der Atomkraft. Energie- und umweltpolitische Positionen der Parteien.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - In ihren Wahlprogrammen bekennen sich alle Parteien außerdem zu mehr Klimaschutz und einem Ausbau erneuerbarer Energien, allerdings mit erheblichen Unterschieden im Detail.

Union: Längere Laufzeiten, aber kein AKW-Neubau

Für die CDU/CSU ist die Atomkraft ein vorerst unverzichtbarer Teil im Energiemix. Eine Laufzeitverlängerung der deutscher Atomkraftwerke wird angestrebt, Akw-Neubauten soll es aber nicht geben. Zusatzgewinne der Betreiber aus der Laufzeitverlängerung sollen überwiegend in die Forschung für Energieeffizienz, erneuerbare Energien und zur Senkung der Strompreise genutzt werden. Fossile Energien wie Gas und Kohle sollen weiter genutzt, aber zum Beispiel durch die CCS-Technik zur Abscheidung und Speicherung von CO2 langfristig umweltfreundlicher werden. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung soll bis 2020 auf 30 Prozent steigen, der deutsche CO2-Ausstoß bis dahin gemäß den Zusagen der Bundesregierung um 40 Prozent sinken.

SPD: Atomausstieg bis 2021 und neuen Kohlekraftwerke

Die SPD hält an dem Ziel fest, den Atomausstieg bis 2021 abzuschließen. An den Sanierungskosten der maroden Atommülllager Asse und Morsleben soll sich zudem die Atomindustrie beteiligen. Bis 2020 soll die Stromversorgung zu 35 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen, bis 2030 zu 50 Prozent. Allerdings soll es auch neue Kohlekraftwerke geben. Zugleich sollen bis 2030 im Umweltsektor bis zu 800.000 neue Jobs entstehen. Auch die SPD bekennt sich zum Ziel der Regierung, CO2-Emissionen in Deutschland bis 2020 um 40 Prozent zu verringern. Durch eine Effizienzoffensive sollen bis 2020 elf Prozent des derzeitigen Stromverbrauchs eingespart werden.

Grüne setzen auf erneuerbare Energien

Die Grünen bekennen sich ebenfalls klar zum Atomausstieg und lehnen längere Akw-Laufzeiten ab. Alte, besonders riskante Atomkraftwerke sollen vorzeitig vom Netz genommen werden. Über die Klimaziele der Regierung hinaus sollen bis 2020 mindestens 40 Prozent des Stroms und ein Drittel der Wärmeenergie erneuerbar erzeugt werden. Der CO2-Grenzwert für Neuwagen soll bis 2020 auf 80 Gramm pro Kilometer sinken, auf Autobahnen ein Tempolimit 120 gelten. Neue Kohlekraftwerke werden abgelehnt. Durch umfassende Investitionen in den Umweltschutz und andere Zukunftsbereiche wollen die Grünen eine Million neue Jobs schaffen, davon 280.000 im Bereich erneuerbarer Energien.

Linke sollen Atomausstieg - sofort

Die LINKE fordert die unverzügliche Stilllegung aller Atomanlagen sowie die Abkehr von fossilen Energien wie Öl und Kohle. Erneuerbare Energien sollen konsequent gefördert werden. Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sollen bis 2020 um 50 Prozent und bis 2050 um mindestens 90 Prozent sinken. Im Strombereich soll der Anteil erneuerbarer Energien 2020 mindestens die Hälfte, bei Wärme ein Viertel betragen. Für Elektrogeräte sollen hohe Effizienzstandards vorgeschrieben werden. Der öffentliche Verkehr soll massiv ausgebaut und preiswerter werden. Auf Autobahnen soll Tempo 120 gelten.

FDP bekennt sich zu Atomkraft und EU-Klimazielen

Die FDP lehnt den Atomausstieg ab und will die Laufzeiten der bestehenden Atomkraftwerke verlängern. Im Gegenzug sollen die Akw-Betreiber einen Teil der finanziellen Vorteile an eine neue "Deutsche Stiftung Energieforschung" abführen. Der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch soll bis 2020 auf 20 Prozent steigen. Auch fossile Energien sollen weiter genutzt werden, langfristig möglichst in Verbindung mit der CCS-Technik. Die FDP bekennt sich zu den EU-Klimazielen und fordert einen Ausbau des internationalen Emissionshandels.