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Energielandwirt: Wer Raps säht, wird Energie ernten

Auf einer Tagung in Bonn diskutierten 150 nationale und internationale Fachleute kürzlich darüber, wie man der Landwirtschaft eine dauerhafte neue wirtschaftliche Grundlage schaffen könnte.

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"Der Landwirt als Energie- und Rohstoffwirt ist längst schon Realität - mit großem Ausbaupotenzial." Das erklärten Dr. Hermann Scheer, Präsident von Eurosolar, und Dr. Norbert Hüttenhölscher, Leiter der Energieagentur NRW, zum Auftakt der gleichnamigen Tagung in Bad Godesberg. Etwa 150 nationale und internationale Fachleute hatten zwei Tage lang auf der von Eurosolar und der Energieagentur NRW organisierten Tagung die Möglichkeiten diskutiert, für die Landwirtschaft eine dauerhafte neue wirtschaftliche Grundlage zu schaffen und umweltfreundliche Energien und Rohstoffe aus Pflanzen bereitzustellen. Das Themenspektrum reichte von der Bioenergie-Erzeugung in der Landwirtschaft über die energetische Biomassenutzung und ihre Bedeutung für die regionale Kreislaufwirtschaft bis zur beruflichen Qualifizierung von Landwirten, um dem wachsenden Arbeitsbedarf einer ökologischen Land-, Energie- und Rohstoffwirtschaft gerecht zu werden. Ein Fazit: Die Zeit der bastelnden Pioniere in Sachen Biogas ist vorbei. Mittlerweile sind schlüsselfertige Komplettanlagen, die schon fast die Bezeichnung "Gülle-Kraftwerk" verdienen, am Markt. Allerdings sei Biomasse mehr als nur die Gülle aus dem Stall. "Raps, Hanf oder Holz haben sich in den vergangenen Jahren als Energieträger und Roh- und Baustoffe einen guten Namen gemacht und verzeichnen steigende Marktanteile", so Dr. Norbert Hüttenhölscher.

In Deutschland könnten mit den aktuellen technischen Möglichkeiten mehr als ein Viertel des Primärenergiebedarfs über die Biomasse gedeckt werden. Derzeit beläuft sich der Anteil allerdings erst auf zwei Prozent. "Die begrenzten Erdölvorkommen führen zu der Notwendigkeit, den Grundstoff Erdöl durch solare Rohstoffe, also auch durch pflanzliche Grundstoffe zu ersetzen. Hier haben wir noch ein ganz erhebliches Entwicklungspotenzial", stellte Dr. Hermann Scheer abschließend fest.