Neuer Höchststand

Energiekonzerne profitieren von hohem Ölpreis

Erstmals hat der Ölpreis letzte Woche die Marke von 145 Dollar übertroffen. Davon profitieren offenbar nicht nur die Ölproduzenten und Spekulanten. Einer Berechnung des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) zufolge können die deutschen Energiekonzerne dadurch bis zu 5,6 Milliarden Euro an Sonderprofiten verdienen.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Den für das ARD-Magazin "Monitor" erstellten HWWI-Angaben zufolge betragen die Vorsteuer-Gewinne der Konzerne bei einem Rohölpreis von 130 Dollar bereits 2,6 Milliarden Euro pro Jahr. Sollte der Ölpreis auf 200 Dollar steigen, seien es rund 5,6 Milliarden Euro an Sondergewinnen. Diese Gewinne kämen dadurch zustande, dass der Strompreis dem Rohöl- und Gaspreis folgt, obwohl ein großer Teil des Stroms aus anderen Energieträgern, insbesondere Kohle und Atomkraft gewonnen werde. Derweil fordert der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), laut "Monitor" eine Sondersteuer für Energiekonzerne, um diese Gewinne abzuschöpfen.

Nach Berechnungen des Finanzwissenschaftliches Forschungsinstitut der Uni Köln für das ARD-Magazin werden die deutschen Privathaushalte durch den steigenden Rohölpreis erheblich belastet. Bei einem Ölpreis von 130 Dollar pro Barrel liege diese Mehrbelastung bei insgesamt 2,7 Milliarden Euro, verglichen mit dem Ölpreis aus dem vergangenen Jahr.

Wenig Hoffnung auf sinkende Preise

Unterdessen haben Politiker, Unternehmen wie auch Verbände kaum Hoffnung auf einen dauerhaft niedrigeren Ölpreis. "Wir gehen davon aus, dass der Ölpreis nicht fällt", sagte beispielsweise der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Ulrich Lehner. Eher sei mit einer Zunahme zu rechnen. Auch der Vorstandsvorsitzende des Stuttgarter Autokonzerns Daimler, Dieter Zetsche, sagte, er gehe davon aus, dass der Ölpreis hoch bleibt.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMV) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Thüringen fordern ein Einschreiten der Politik. Sie müsse die Preistreiber für Energie und Kraftstoffe stellen und "ihrem schädlichen Spiel" ein Ende bereiten, sagte DGB-Landeschef Steffen Lemme. BVMV-Landesgeschäftsführer Günther Richter beklagte, dass vor allem durch Preissteigerungen bei Energie und Mineralöl die Wettbewerbsfähigkeit des Thüringer Mittelstands weiter geschwächt werde.

Um mehr über die künftigen Entwicklungen an den Öl- und Gasmärkten zu erfahren, erstellt derzeit eine "Projektgruppe Energiepolitisches Programm (PEPP)" im Auftrag der Bundesregierung einen entsprechenden Bericht. Demnach sollen externe Experten mit Unterstützung von Fachleuten des Bundeswirtschaftsministeriums die Ursachen für den explosionsartigen Preisanstieg bei Öl und Gas untersuchen und Lösungen entwickeln. Zudem ist es ihre Aufgabe, herauszufinden, welchen Einfluss Spekulationen auf die Preise haben. Bis zum Ende der Sommerpause sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden.

Ölpreis auch Thema des G8-Gipfels

Die Spekulationen an den Ölmärkten werden auch beim G8-Gipfel in Japan thematisiert, der heute beginnt. Mehr Transparenz auf den Ölmärkten könne dabei möglicherweise helfen, den Spekulationsanteil zu dämpfen, hieß es aus deutschen Regierungskreisen. Derzeit bestehe eine "Übernachfrage". Deswegen müsse mehr in die Exploration neuer Ölfelder sowie in Raffinerien investiert werden. Auf der Nachfrageseite müsse die Abhängigkeit reduziert werden. Das könne etwa durch einen Ausbau der Erneuerbaren Energien wie auch durch eine Diversifizierung der Bezüge geschehen.