Zeitungsbericht

Energiekonzerne planen offenbar Netze in Gesellschaft auszulagern

Die deutschen Energiekonzerne planen offenbar, ihre Leitungen für Strom und Gas mit denen ihrer europäischen Mitbewerber in eine neue unabhängige Gesellschaft auszulagern. So wollen sie einer Zerschlagung durch die EU zuvorkommen. Brüssel jedoch beharrt trotzdem auf dem Vorschlag der Zerschlagung.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

München (ddp/sm) - Wie die "Süddeutsche Zeitung" (Dienstagausgabe) berichtet, wollen die Energiemultis damit einer zwangsweisen Trennung von Stromerzeugung und Stromlieferung durch die EU zuvorkommen und ihre milliardenteuren Netze schützen. Die EU-Kommission hatte in der Vergangenheit offen über eine Zerschlagung der Energiekonzerne diskutiert, um die Preise für Strom und Gas zu senken. "Wir behalten das Eigentum an den Leitungen, schaffen aber selbst Wettbewerb", sagte ein Energiemanager dem Blatt.

Die großen deutschen Versorger RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW sind nach Angaben der Zeitung wegen der Preissteigerungen bei Strom und Gas politisch schwer unter Druck geraten. Eine Kilowattstunde Strom habe im Jahr 2006 in der Schweiz zwölf Cent, in Großbritannien 15 Cent, in Deutschland aber 20 Cent gekostet. Die EU-Kommission will die deutschen Konzerne deshalb nach britischem Vorbild zerschlagen. Die Unternehmen sollen demnach das Eigentum an den Netzen verlieren, damit sie neue Wettbewerber nicht mehr daran hindern könnten, die fremden Leitungen zu vertretbaren Gebühren zu benutzen.

EU-Wettbewerbskommissarin Nellie Kroes sagte dem Blatt, Brüssel beharre trotz des Vorschlags der deutschen Energiekonzerne auf einer Zerschlagung. Kroes glaube, dass sich die Preise nur senken lassen, wenn die Konzerne das Eigentum an den Netzen verlören.