Standpunkt

Energiekonzerne bewerten Bau neuer Kernkraftwerke unterschiedlich

Während E.ON-Chef Wulf Bernotat den Bau neuer Atomkraftwerke ausschließt, sieht der Vorstandsvorsitzende von EnBW, Dr. Utz Claassen, darin eine weitreichende Perspektive. Man befinde sich mit einem derartigen Vorschlag im internationalen Vergleich in guter Gesellschaft, sagte Claassen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Der Vorstoß von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) für einen möglichen Bau neuer Atomkraftwerke stößt in der deutschen Energiewirtschaft auf unterschiedliche Reaktionen. Der E.ON-Chef Wulf Bernotat schließt den Neubau von Kernkraftwerken aus. "Der Bau neuer Anlagen ist sicherlich kein Thema", sagte er dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). Der Vorstandsvorsitzende des drittgrößten deutschen Energiekonzerns EnBW, Utz Claassen, sprach sich dagegen indirekt für den Neubau neuer Kernkraftwerke aus.

Entsprechende Anregungen Kochs begrüßte Claassen: "Wenn der hessische Ministerpräsident bei seinen Erwägungen und Schlussfolgerungen eine besonders lange Zeitachse hat und eine besonders weit reichende Perspektive einnimmt, dann ehrt ihn das", sagte Claassen dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe). Weltweit planten zahlreiche Länder den Neubau von Kernkraftwerken. "Offensichtlich befindet sich der hessische Ministerpräsident im internationalen Vergleich in guter Gesellschaft", sagte Claassen. EnBW selbst habe den Neubau von Kernkraftwerken bisher aber "weder intern noch extern" diskutiert.

E.ON-Chef Bernotat lehnte den Bau neuer Kernkraftwerke ab, stellte jedoch den Zeitplan des Atomausstiegs in Frage: "Wir müssen ernsthaft darüber reden, ob es nicht sinnvoll ist, die in meinen Augen sehr sicheren Kraftwerke länger laufen zu lassen, als es nach der derzeit gültigen Vereinbarung möglich ist." Bernotat begründet seine Überlegung nicht nur mit der Frage der Versorgungssicherheit, sondern auch mit dem Klimaschutz. "Wir können einfach nicht gleichzeitig aus der Kernenergie aussteigen und die ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen", sagte er. Dieser "Zielkonflikt" müsse gelöst werden.