Heuchelei

Energiekonzerne bangen angeblich um Milliarden-Einnahmen

Die Pläne der neuen Bundesregierung, Unternehmen den Umgang mit den kostenlos zugeteilten Emissionsrechten zu erschweren, stoßen in der Branche auf wenig Freude: "Wir waren völlig von den Socken, als wir hörten, dass das Bestandteil der Koalitionsvereinbarung geworden ist."

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Düsseldorf (ddp/sm) - Die deutschen Energiekonzerne bangen einem Medienbericht zufolge um Einnahmen in Milliardenhöhe. Union und SPD wollen verhindern, dass die Unternehmen künftig die ihnen kostenlos zugeteilten Emissionsrechte zum aktuellen Marktwert auf den Strompreis aufschlagen können, wie das "Handelsblatt" (Mittwochausgabe) in Düsseldorf berichtet.

Damit will die große Koalition dem Bericht zufolge eine Forderung der Energieverbraucher erfüllen. "Wir waren völlig von den Socken, als wir hörten, dass das Bestandteil der Koalitionsvereinbarung geworden ist", sagte ein Energiemanager dem Blatt. Dass die Koalitionspolitiker sich dem Druck der Energieverbraucher gebeugt hätten, sei eine "ungeheure Heuchelei", sagte der Manager weiter. Die Politik habe von vornherein gewusst, dass der Handel mit Emissionsrechten zu einem Anstieg der Strompreise führen werde.

Die Preiswirksamkeit des Zertifikatehandels sei "systemimmanent und politisch gewollt", sagte auch der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft, Eberhard Meller, dem Blatt. Die Vereinbarung im Koalitionsvertrag trage dem "nur in begrenztem Maße Rechnung". Die Umweltpolitiker der großen Koalition zeigten sich unnachgiebig. "Wir haben den Emissionshandel nicht eingeführt, damit die Energieversorgungsunternehmen ihre Gewinne um Milliardenbeträge erhöhen", sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber der Zeitung.