Kostenmanagement

Energieforum der Deutsche Essent GmbH: Wettbewerbsdruck für Stadtwerke

Auf dem ersten Energie-Forum der Deutschen Essent GmbH kamen die Experten zu dem Schluss, dass der Wettbewerbsdruck auf die Stadtwerke immer größer wird. Prof. Dr. Dieter Schmitt von der Uni Essen prognostizierte sogar, dass in wenigen Jahren nur noch etwa 100 (von jetzt 900) Stadtwerken ihre bisherige Geschäftstätigkeit fortsetzen könnten.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Das deutsche Stadtwerk als der kommunale Energieversorger kommt im Zuge der Liberalisierung der Energiemärkte immer mehr unter Wettbewerbsdruck. Bereits heute zeigen sich zwischen den einzelnen Versorgungsunternehmen eklatante Differenzen in Rentabilität und Wachstum. Zu diesen Aussagen kamen die Referenten in ihren Vorträgen auf dem ersten Energie-Forum der Deutsche Essent GmbH, Düsseldorf, in Wolfsburg.

Prof. Dr. Dieter Schmitt von der Universität Essen prognostizierte beispielsweise, dass von den derzeit etwa 900 Stadtwerken in Deutschland in wenigen Jahren nur noch wenig mehr als 100 ihre bisherige autonome Geschäftstätigkeit fortsetzen werden. Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Accenture zeigen sich bereits heute deutliche Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung einzelner Versorgungsbetriebe. Accenture hatte die Bilanzen von etwa 50 Stadtwerken in ganz Deutschland untersucht und dabei festgestellt, dass sich zwischen den Betrieben erhebliche Unterschiede auftun. So erreichte die Spitzengruppe mit den zehn ertragreichsten Stadtwerken nach der Accenture-Studie im Jahr 2000 eine durchschnittliche Umsatzrentabilität von 14 Prozent, während sie bei den zehn schlechtesten Betrieben bei im Schnitt minus zwei Prozent lag. Auch im Ertrag bezogen auf das eingesetzte Eigenkapital ergaben sich ähnliche Differenzen. Hier lagen die zehn Spitzenreiter ebenfalls im Jahr 2000 bei durchschnittlich 22,5 Prozent, während die zehn Schlusslichter nur 1,2 Prozent ihres eingesetzten Eigenkapitals im Durchschnitt an Gewinn erwirtschafteten.

Prof. Schmitt betonte in seinen Ausführungen, dass die Liberalisierung unumkehrbar sei und der Strukturwandel auf in hohem Maße gesättigten Strom- und Gasmärkten mit geringem Wachstumspotential weitergeht. Zunächst hätten Stadtwerke von der Liberalisierung eindeutig profitiert. Denn vor allem die Energiebezugskosten seien gesunken. Inzwischen aber zögen die Preise auf dem Großhandelsmarkt aber bereits wieder kräftig an. Dabei sei noch längst nicht ein Niveau erricht, bei dem die für Ersatzinvestitionen erforderlichen langfristigen Grenzkosten gedeckt würden. Schmitt empfahl den Stadtwerken, mit einem nachhaltigen Kostenmanagement, einer Optimierung der Geschäftsprozesse und internen Organisation, durch Preis- und Produktdifferenzierung, durch Diversifikation und Kooperation und nicht zuletzt durch systematische Pflege der gewachsenen Kundenbindung ihre Position im Wettbewerb zu stärken. Schwächen auf der Bezugsseite sollten durch Zusammenarbeit ausgemerzt und die Stärken gewachsener Kundenbindung und Marktnähe systematisch ausgebaut werden.