"Wild darauf los bauen"

Energieexperten kritisieren neue Kohlekraftwerke

In der Debatte um Klimaschutz und Energiesicherheit haben Energieexperten den Bau neuer Kohlekraftwerke in Deutschland heftig kritisiert. "Die Energiekonzerne bauen wild darauf los, solange sie noch bauen dürfen", sagte Olav Hohmeyer, Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung für Umweltfragen (SRU), dem ZDF-Magazin Frontal 21.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - "Sie wollen jetzt Tatsachen schaffen, um ihre Monopole zu sichern. Ein Umdenken in Richtung erneuerbarer Energien hat dort leider kaum stattgefunden."

Schneller auf Erneuerbare Energien umstellen

Dabei gefährde der Bau von etwa zwei Dutzend Kraftwerken zur Kohlestromversorgung, die bis 2020 in Betrieb gehen sollten, die deutschen Klimaschutzziele, sagte Hohmeyer. "Wenn wir die angestrebte Reduzierung des Treibhausgases CO2 in Deutschland um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 schaffen wollen, dürfen diese Kohlekraftwerke nicht gebaut werden." Wichtig sei vielmehr die rasche Umstellung auf erneuerbare Energien wie Wind, Erdwärme oder Photovoltaik. Dass es bei der Umstellung auf erneuerbare Energien zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen könne, bestritt Hohmeyer. Die von der Politik immer wieder prophezeite Stromlücke sei eine "Schimäre".

Auch wirtschaftlich eine Fehlinvestition

Auch die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sprach sich in Frontal 21 gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke aus. Wegen des drohenden Preisanstiegs beim CO2-Zertifikatehandel sei der Bau auch aus wirtschaftlichen Gründen "unverantwortlich". Am Ende müsse der Verbraucher diese "Fehlinvestitionen" bezahlen.