Analyse

Energiebranche wird trotz Widerstands in EU-Ländern neu sortiert

Die europäische Energiebranche steht nach den nationalen Zusammenschlüssen vor gut fünf Jahren vor einem neuen Konzentrationsprozess. Diesmal greifen die etablierten Versorger nach Mitbewerbern in anderen EU-Staaten, stoßen dabei aber auf Widerstand der nationalen Regierungen wie jetzt in Frankreich und Spanien.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Brüssel (ddp.djn/sm) - Fusionen müssten nach den freien Marktkräften vollzogen werden, erklärte am Montag ein Sprecher der EU-Kommission mit Blick auf den in Frankreich angekündigten Zusammenschluss der beiden Versorger Gaz de France (GdF) und Suez. Damit will die Regierung in Paris einer feindlichen Übernahme von Suez durch den italienischen Stromgiganten Enel zuvorkommen. Aus der Kommission verlautete unterdessen, dass die Fusion von GdF und Suez konform sei mit den EU-Vorschriften über den freien Kapitalverkehr im Binnenmarkt. Die italienische Regierung sieht das anders und will sich nach den Worten von Außenminister Gianfranco Fini offiziell in Brüssel über das Vorhaben in Frankreich beschweren.

Spanien verfolgt hingegen eine andere Strategie, um die Übernahme des nationalen Energieversorgers Endesa durch die deutsche E.ON AG abzuwenden. Madrid hat trotz Warnungen aus der EU-Kommission eine Gesetzesänderung angekündigt, um das Vetorecht der spanischen Energiekommission auf Übernahmen durch ausländische Unternehmen zu erweitern. Zwar hieß es am Montag bei der Kommission, man habe die Entscheidung der spanischen Regierung vom Freitag zur Kenntnis genommen und brauche einige Tage zur Analyse. Zuvor aber hatten die Sprecher von Wettbewerbskommissarin Neeli Kroes und Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy Spanien davor gewarnt, Hindernisse für die Fusion zwischen E.ON und Endesa aufzustellen.

Ginge es nach dem Willen der EU-Kommission, sollten die 25 einzelnen Energiemärkte der Union integriert und zusammengefügt werden. Fusionen könnten - sofern sie nach den Wettbewerbsregeln vollzogen werden - die Wettbewerbsfähigkeit Europas in der Energiebranche erhöhen und vor allem die Versorgungssicherheit gewährleisten. So kritisierte Kroes denn auch jüngst die Abschottung nationaler Märkte in den EU-Ländern und den Mangel an fairem Wettbewerb.

Während die EU-Behörde in Spanien mit den Instrumenten des freien Kapitalverkehrs im Binnenmarkt eingreifen kann, um die Blockade für die geplante Übernahme von Endesa durch E.ON aufzuheben, hat sie in Frankreich wenige Möglichkeiten. Denn laut einem Mitarbeiter der Kommission gibt es im EU-Gesetz keine Regelung, die Frankreich davon abhalten könnte, GdF und Suez zusammenzubringen. Damit können sich die französischen Energieriesen vor feindlichen Übernahmen weiter sicher sein.

Der Fusions- und Konzentrationsprozess im europäischen Energiesektor dürfte sich in den kommenden Monaten verstärken, da im Juli kommenden Jahres die EU-Energiemärkte vollständig liberalisiert werden. Ab Mitte 2007 nämlich können alle Energiekunden in der EU ihren Versorger frei wählen. Bei einer Bevölkerungszahl von über 430 Millionen Einwohnern bietet sich dabei ein lukratives Geschäft für die Energieunternehmen, zumal die Strom- und Gaspreise ein hohes Niveau mit steigender Tendenz erreicht haben.

Von Ali Ulucay, Dow Jones Newswires