Private Energiewende

Energieautarkes Haus: Ein Leben ohne Stromanbieter

Ein Haus ohne öffentlichen Stromanschluss und ohne Kosten für Öl oder Gas: In Niedersachsen wurde jetzt ein komplett energieautarkes Haus vorgestellt, das die Bewohner völlig unabhängig von Gas- und Stromanbietern macht. Eine eigene Stromtankstelle ist auch dabei.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Hannover (red) - All das bietet privaten Bauherren das nach Angaben des Unternehmens erste vollständig energieautarke Haus, das die Helma Eigenheimbau AG am Donnerstag am Firmensitz im niedersächsischen Lehrte eröffnet hat. Ein öffentlicher Stromnetzanschluss ist nicht erforderlich - was die Bewohner des Hauses tatsächlich völlig unabhängig von Energieversorgern macht.

Kein Gas, kein Öl - nur Sonne und Holz

Die Sonne versorgt das Haus mit Wärmeenergie für Heizung und Warmwasser und liefert den Strom für Haushalt und Elektromobilität. Ein spezielles Steuersystem sorgt für einen effizienten Einsatz der gewonnenen Energie. Sensoren in jedem Raum können die Beleuchtung oder Verschattung, aber auch die Heizung, regeln. Darüber hinaus sorgt das System in Zeiten, in denen viel Solarstrom gewonnen wird, dafür, dass dieser sinnvoll im Haus eingesetzt und verbraucht wird. Die Steuerung und Regelung dieser Anlage ist per Internet möglich.

Selbst Strom erzeugen und speichern

Den Angaben von Helma zufolge deckt der Rohstoff Sonne 65 Prozent des Jahreswärmebedarfs, je nach Standort in Deutschland auch bis zu 70 Prozent. Die von Sonnenkollektoren gesammelte Wärme wird zentral von einem Langzeit-Solarspeicher aufgenommen, wo sie ganzjährig zur Warmwasser-Bereitung zur Verfügung steht und über Monate gespeichert werden kann.

In der sonnenärmeren Jahreszeit gibt der Speicher die Wärme über Wandflächen- oder Fußbodenheizung individuell regelbar an die Räume ab. Für den restlichen Wärmebedarf kommt Stückholz zum Einsatz. Der Stückholzofen gibt etwa 90 Prozent seiner Heizenergie an einen Speicher ab; die restliche Abwärme heizt den Wohnraum.

Zusätzlich zu den Kollektoren ist eine Photovoltaik-Anlage in das Dach integriert. Auf einer Fläche von 58 Quadratmetern erzeugt sie die Menge Strom, die das Haus für seine Eigenversorgung mit Haushaltsstrom benötigt. Der Überschussstrom wird für die Elektro-Mobilität genutzt. Um den selbst erzeugten Strom flexibler einsetzen zu können - also auch dann, wenn die Sonne gerade nicht scheint - wird dieser in einem Akku zwischengespeichert. So kann ein Elektromobil auch noch am Feierabend mit eigenproduziertem Strom geladen werden.

70 Prozent unter Passivhausstandard

Gemessen an einem konventionellen Gebäude liegt der Primärenergiebedarf des Hauses laut Helma mit 9 kWh pro Quadratmeter und Jahr um 88 Prozent unter dem Wert, den die Energieeinsparverordnung für Neubauten vorschreibt und etwa 70 Prozent unter Passivhausstandard.