Fairer Zutritt

Energieabnehmer-Verband rechnet mit steigenden Gaspreisen

Die Kritik am verzögerten Start der Regulierungsbehörde reist nicht ab. Insbesondere im Hinblick auf die im Herbst wieder steigenden Gaspreise fordert der VEA einen fairen Zutritt zu den Netzen, mehr Transparenz und nachvollziehbare Entgeltkalkulationen.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Hannover (ddp/sm) - Die Preise für Erdgas werden nach Ansicht des Bundesverbandes der Energie-Abnehmer (VEA) in Hannover im Herbst wieder deutlich anziehen. Wegen der traditionellen Bindung der Gaspreise an die Entwicklung der Erdölpreise stehe mit der üblichen zeitlichen Verzögerung ein Schub ins Haus, sagte VEA-Geschäftsführer Volker Stuke am Freitag in Hannover im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp.

Pünktlich zu Beginn der Heizperiode dürften die Preise im Schnitt wieder auf das frühere Niveau steigen, nachdem jüngst noch ein Rückgang um gut fünf Prozent zu verzeichnen war. Die Preise für Erdöl waren im späten Frühjahr auf langjährige Höchststände geklettert.

Der Verband, größter Zusammenschluss von Energiekunden aus Mittelstand und öffentlichen Einrichtungen, setzt in die neue Regulierungsbehörde für Strom und Gas einige Erwartungen. Ohne einen funktionierenden Wettbewerb sei die Preisbindung an Öl "nicht zu kappen", sagte Stuke. Es sei zu begrüßen, dass nun der "deutsche Sonderweg" bei der Liberalisierung der Energiemärkte verlassen und Weichen für den neuen Regulierer gestellt wurden.

Um so bedauerlicher sei es, dass die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen und damit die neuen Rahmenbedingungen nicht rechtzeitig verabschiedet wurden und die neue Behörde noch nicht voll funktionsfähig ist. Das neue "Gaswirtschaftsjahr" und die entsprechenden Planungen begännen für die Branche am 1. Oktober, betonte Stuke. Bis dahin dürfte das novellierte Energiewirtschaftsrecht und damit das "Instrumentarium" für den diskriminierungsfreien Netzzugang und die wettbewerbsfördernden Durchleitungsbedingungen aber noch nicht vorliegen.

Notwendig seien ein fairer Zutritt zu den Netzen, mehr Transparenz und nachvollziehbare Entgeltkalkulationen, sagte Stuke. Um die leidige Quersubventionierung bei den Versorgern abzustellen, müsse das von der EU geforderte "Unbundling", die Trennung von Netz und Vertrieb, zügig umgesetzt werden. Der Bundesverband fordert das nicht nur - wie bisher geplant - für Versorger mit mehr als 100 000 Kunden, sondern auch für kleinere Unternehmen. Nur bei einem starken Regulierer habe der Wettbewerb eine Chance.

Eine aktuelle VEA-Studie mit Preisstand April 2004 hat bundesweit 39 Versorgungsgebiete unter die Lupe genommen. Dabei wurden Preisunterschiede von bis zu 30 Prozent zwischen einzelnen Gaslieferanten festgestellt. Der Verband sieht das als ein Indiz dafür, dass es durchaus erhebliche Einsparpotenziale im Interesse der Gaskunden gibt.