Zusammenfassung

Energie-Großfusion in Frankreich / Bieterstreit um Endesa?

Neues vom europäischen Energiemarkt: Die Verwaltungsräte der französischen Konzerne Gaz de France (GdF) und Suez haben am Wochenende einvernehmlich eine Fusion beschlossen. E.ON wird sich indes auf einen harten Bieterstreit um Endesa einstellen müssen, denn Gas Natural verbessert seine Offerte.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Madrid/Paris (ddp.djn/sm) - Der Düsseldorfer Energiekonzern E.ON muss sich offenbar auf einen längeren Bieterwettstreit um den spanischen Stromversorger Endesa einstellen. Der ebenfalls an der Übernahme interessierte spanische Gasversorger Gas Natural bereitet nach einem Bericht der spanischen Tageszeitung "El Pais" (Montagausgabe) ein verbessertes Gebot für Endesa vor. Es werde bei rund 28 Euro je Aktie liegen, schreibt das Blatt unter Berufung auf Kreise aus dem Umfeld von Gas Natural.

Bisher hatte das Unternehmen knapp 22 Milliarden Euro oder 21,30 Euro je Aktie geboten, war am vergangenen Dienstag aber deutlich von E.ON überboten worden. Der deutsche Energiekonzern hatte überraschend ein Bargebot von gut 29 Milliarden Euro oder 27,50 Euro je Aktie vorgelegt. Die spanische Regierung lehnt die Übernahme von Endesa durch den deutschen Konzern nach wie vor ab. Ungeachtet der Warnungen der EU-Kommission hatte das Kabinett in Madrid am Freitag beschlossen, das Vetorecht der spanischen Energiekommission auch auf Übernahmen von ausländischen Käufern auszuweiten.

E.ON rechnet allerdings nicht mit größeren Widerständen der spanischen Regierung gegen die milliardenschwere Übernahmeofferte für Endesa. Letztlich würden nicht die "Politiker, sondern die Eigentümer von Endesa über unser Angebot entscheiden", sagte der E.ON-Vorstandschef, Wulf Bernotat, dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Bernotat ist mit dem bisherigen Verlauf seines überraschenden Angebots für Endesa zufrieden. "Der erste Aufschlag war äußerst gelungen", sagte er. "Das heißt aber noch nicht, dass der Kauf bereits gelaufen ist", fügte er hinzu. Bernotat will schon in den nächsten Tagen mit Großinvestoren in den USA und Europa sprechen, um sie von den Vorzügen seines Angebots zu überzeugen. Ab jetzt laufe alles "streng nach den Regeln des Kapitalmarkts", sagte Bernotat weiter. Dass sich ein weiterer europäischer Stromkonzern in die Übernahmeschlacht einmischt und ein höheres Angebot vorlegt, hält der Manager für unwahrscheinlich.

Derweil haben die Verwaltungsräte der französischen Energiekonzerne Suez und Gaz de France (GdF) einvernehmlich eine Fusion beschlossen. Aus dem Zusammenschluss erwachse ein in Europa führender Konzern von globaler Größe, hieß es am Montag in einer gemeinsamen Erklärung von GdF und Suez. Der Jahresumsatz der neuen Gruppe mit Strom, Erdgas und Wasser von etwa 64 Milliarden Euro wird überwiegend in Frankreich und Belgien erwirtschaftet.

Der französische Premierminister Dominique de Villepin hatte die Großfusion auf dem staatlichen Energiesektor am Wochenende angekündigt. Beobachtern zufolge will Frankreich damit ein drohendes feindliches Übernahmeangebot des italienischen Stromriesen Enel für Suez abwehren. Daher sorgt die Fusion offenbar für Spannungen zwischen Frankreich und Italien. Italiens Industrieminister Claudio Scajola sagte ein für Montag in Paris geplantes Treffen mit seinem französischen Kollegen François Loos ab. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte am Freitag erklärt, er habe die französische Regierung aufgefordert, sich in einem möglichen Übernahmekampf neutral zu verhalten.