Zukunftsweisend

Enercon entwickelt mit Windkraft angetriebenes Frachtschiff

Der Windenergieanlagenhersteller Enercon lässt ein teilweise durch Windkraft angetriebenes Frachtschiff bauen. An Deck sollen vier der Windströmung ausgesetzte und sich um ihre eigene Achse rotierende Zylinder den konventionellen Schiffsdiesel unterstützen und so 30 bis 50 Prozent Kraftstoff sparen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Aurich (ddp-nrd/sm) - Aloys Wobben ist ein Visionär. Seine Enercon GmbH exportiert Windkraftanlagen in alle Welt und forscht intensiv auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Das Unternehmen mit Stammsitz in Aurich entwickelt Meerwasserentsalzungsanlagen und befasst sich mit einer effizienteren Nutzung von Wasserkraftwerken. Ein neues Projekt aus seiner ostfriesischen Ideenschmiede macht Wobben nun zum Reeder. Die Enercon GmbH will mit einem teils durch Windkraft angetriebenen Frachtschiff in See stechen.

"Wir streben eine Kraftstoffersparnis von 30 bis 50 Prozent an", sagt Unternehmenssprecher Michael Dahm. Neben dem Umweltaspekt sei der weltweite Transport der Windkraftanlagen ein Grund für die Entwicklung des Schiffes. Denn aufgrund gestiegener Bunkerpreise haben sich die Frachtkosten erhöht. Geplant ist deshalb der Bau eines aerodynamischen Schiffskörpers, in dem unter anderem Rotorflügel von Windrädern befördert werden können.

Bei der Antriebstechnik macht sich Enercon eine Erfindung von Anton Flettner (1885 - 1961) zunutze. Dieser hatte den nach ihm benannten Flettner-Rotor entwickelt. Dabei handelt es sich um der Windströmung ausgesetzte und sich um ihre eigene Achse rotierende Zylinder. Aus dem Sog und den Staudruckkräften erzeugen sie eine Kraft quer zur Strömung. Der wie ein Segel wirkende Rotor wurde von 1922 bis 1926 auf zwei Schiffen getestet, fand aber keine weitere Verbreitung. An Deck des Enercon-Frachters soll nun eine Weiterentwicklung zum Einsatz kommen. Vier Zylinder sollen die mit Diesel betriebenen Antriebsmotoren unterstützen.

Laut Dahm befindet sich das Projekt noch im Entwicklungsstadium. Der Auftrag für den Bau des Schiffes mit windgestütztem Antriebssystem sei aber bereits an die Lindenau-Werft in Kiel vergeben worden. Geplant ist dem Sprecher zufolge ein 130 Meter langer und 22,50 Meter breiter Frachter mit einer Tragfähigkeit von 10 000 Tonnen. Das mit 12 800 BRZ (Bruttoraumzahl) vermessene Schiff soll voraussichtlich im Jahr 2008 vom Stapel laufen. Eine Entscheidung über den Heimathafen ist noch nicht gefallen.

Von ddp-Korrespondent Holger Szyska