enercity trade - Stadtwerke Hannover AG startet mit Trading-Floor

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Im Mai 2000 nimmt der "enercity trade" genannte Trading-Floor der Stadtwerke Hannover das Geschäft auf. "Die Strombeschaffung muss auf Marktpreisniveau gebracht werden, um im Wettbewerb bestehen zu können. Das haben wir frühzeitig erkannt und mit "enercity trade" eine professionelle Lösung entwickelt", begründet Dr. Erich Deppe, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Hannover AG, den Aufbau eines eigenen Trading-Floors. Durch den Handel könnten die Stadtwerke Hannover die Beschaffung in einem kontinuierlichen Prozess optimieren und marktfähige Preise an die Kunden weitergeben. Er verweist auf Entwicklungen in länger liberalisierten Ländern wie beispielsweise Norwegen, wo teilweise sogar die Strompreise für Privatkunden an Börsenpreise gekoppelt sind. Sollte sich der Markt in Deutschland ähnlich entwickeln, rät Deppe jedem Energieversorger "sich im Handel zu engagieren, um nicht vom Endkundenmarkt abgekoppelt zu werden".


Entsprechend der strategischen Zielsetzung des Energiehandels bereiteten die Stadtwerke Hannover den Aufbau des Trading-Floors gründlich vor. So sind sie zwar nicht eines der ersten Unternehmen der Branche im Energiehandel - "enercity trade" geht aber durch das umfassende Risikomanagement, die langjährige Erfahrung im Devisen- und Zinsderivatehandel und die Festschreibung des Energiehandels in der Satzung als Unternehmenszweck mit einer wohl bundesweit einzigartigen Qualifikation an den Start. Der Handelsbereich nimmt bereits am CEPI teil und beteiligt sich an der Strombörse EEX in Frankfurt.


Zum neunköpfige Team des Trading-Floors gehören drei Händler, ein Bilanzkreismanager, zwei Analysten sowie zwei Backoffice- Mitarbeiter. Die physische Beschaffung zu optimieren und die Kapazitäten der eigenen Kraftwärme-Koppelungsanlagen zu vermarkten, sind die Aufgaben der Energiehändler. Dies geschieht über die Schnittstellen zu anderen, auch internationalen Handelsunternehmen und den Strombörsen in Amsterdam, Frankfurt und Leipzig. Der Bilanzkreismanager ist verantwortlich für Fragen des Transportes und Verteilung der Energie sowie des Bündelungsmanagements. Für das Risikomanagement sind die beiden Analysten zuständig. Sie beobachten die Entwicklung der Marktpreise und identifizieren Risiken durch unkalkulierbare Preissteigerungen. Diese Risiken zu bewerten und zu minimieren gehört zu ihren wesentlichen Aufgaben. Unterstützt werden die Spezialisten durch zwei weitere Mitarbeiter im sogenannten Back-Office. Beim Start von "enercity trade" kann Holger Schwenke, Leiter des Bereichs Energiehandel, auf mehrere Monate intensiver Vorbereitung zurückblicken. Gemeinsam mit einem 25-köpfigen Projekt-Team hat er den neuen Unternehmensbereich geplant und aufgebaut. Unterstützt hat hierbei die Unternehmensberatung ConEnergy AG aus Essen. Neben der Entwicklung eines belastbaren Konzepts mussten - hochdotierte - Spezialisten gefunden und teure Spezial-Hard- und Software beschafft werden. Die Investitionen liegen bereits im Vorfeld bei mehreren Millionen Mark. Aufwendig in anderer Hinsicht war die Überzeugungsarbeit, die bei den Aufsichtsgremien der Stadtwerke Hannover AG geleistet werden musste: Die Argumente für "enercity trade" waren aber so gut, dass der physische und finanzielle Stromhandel als Unternehmenszweck in der Satzung der Stadtwerke Hannover verankert wurde.