Atommüll

Endlager-Suche: BfS-Chef König wird Leiter neuer Behörde

Die Suche nach einem Endlager für die radioaktiven Abfälle in Deutschland dauert bereits Jahrzehnte. Die bundesweite Endlager-Kommission hatte zuletzt die Kriterien offen gelassen. Wie geht es künftig weiter? Zunächst stehen verwaltungstechnische Änderungen an.

Atomstrom© dasglasauge / Fotolia.com

Berlin/ Karlsruhe - Der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, leitet künftig das für die Genehmigung von atomaren End- und Zwischenlagern zuständige Bundesamt. Das gab das Bundesumweltministerium am Mittwoch in Berlin bekannt. Die Personalie gehört zur Neuordnung der Behördenstruktur für die Lagerung von Atommüll. Der 58 Jahre alte König bleibt vorläufig auch Leiter des BfS, dessen Präsident er seit 1999 ist - das soll aber keine Dauerlösung sein.

"Ich bin mir der großen Herausforderung bewusst, dass wir in Deutschland zügig und in einem transparenten Prozess einen Standort für ein sicheres Endlager für insbesondere hoch radioaktive Abfälle finden müssen", teilte König mit.

Zuständigkeit für Endlagersuche wandert zum BfE

Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) ist in Zukunft für Genehmigungen und Aufsicht bei der Suche nach einem Endlager, aber auch für Zwischenlager und Transporte zuständig. Es übernimmt damit Aufgaben, die bisher im Bundesamt für Strahlenschutz angesiedelt waren. Das BfS bleibt für Strahlenschutz zuständig, das gilt zum Beispiel für Medizinprodukte und Mobilfunk-Anlagen.

Neue Bundesgesellschaft für Endlagerung

Zudem gibt es eine neue Bundesgesellschaft für Endlagerung mit Hauptsitz in Peine, die dem Bund gehört, aber privatrechtlich organisiert ist. Die BGE ist künftig Betreiber des Endlagers Konrad und der Schachtanlage Asse sowie Vorhabenträger für die Auswahl eines Endlager-Standorts. So sollen Betreiber und Aufsicht klarer getrennt sein als bisher. Die Geschäftsführung übernimmt unter anderem Ursula Heiner-Esser (50). Sie war bisher Co-Vorsitzende der Kommission, die Ablauf und Kriterien für die Suche nach einem Endlager ausgearbeitet hat.

Hintergrund: Endlager-Suche: Geprüft wird überall

Grundlegend bleibt die Frage: In welchen Gesteinsschichten bleibt hochradioaktiver Atommüll eine Million Jahre am sichersten verschlossen? Die bundesweite Endlager-Kommission hat sich bewusst nicht festgelegt. Geprüft wird überall. Auch in Baden-Württemberg gibt es Gegenden mit dem gefragten Untergrund: Granit im Schwarzwald und Odenwald, Salzvorkommen bei Heilbronn sowie Ton auf der Schwäbischen Alb um Ulm und in Oberschwaben. Macht das den Südwesten schon Endlager-tauglich?

Endlager-Kommission ließ Kriterien offen

Nach dem Jahrzehnte währenden Kampf um das ursprünglich von der Atomindustrie geplante Endlager im Salzstock Gorleben sind alle Seiten vorsichtig geworden. "Das Ergebnis ist offen", betont der Endlager-Experte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Armin Grunwald. Der Physiker war Mitglied der 33-köpfigen Endlager-Kommission, die die Weichen für die Lösung eines der größten gesellschaftlichen Konflikte in Deutschland stellen sollte.

Ausschlusskriterien für ein Endlager in Deutschland

Für Baden-Württemberg hatten Geologen in der Vergangenheit vor allem Tongesteine im Blick. Voraussetzung für den neuen Anlauf der nationalen Endlager-Suche war aber die "weiße Landkarte", unterstreicht man im baden-württembergischen Umweltministerium. Bei Fragen nach möglichen Standorten im Südwesten hält man sich deshalb bedeckt. Doch ganz so "weiß" ist die Landkarte für die Suche nicht. Es gibt Ausschlusskriterien.

Dazu zählt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover erdbebengefährdete Gebiete wie den Oberrheingraben, die Schwäbische Alb oder die Niederrheinische Bucht. Zudem scheiden Regionen mit starken vertikalen Erdhebungen aus, wie sie in den Alpen vorkommen. Ein "K.-o.-Kriterium" ist auch Vulkanismus, wie er in der Eifel vor mehreren zehntausend Jahren vorkam.

Bericht der Endlager-Kommission trifft auf Widerstand

Ob Bohrloch oder Bergwerk - die strahlende Hinterlassenschaft des Atomzeitalters soll jedenfalls tief lagern. "Alles muss angeschaut werden", sagt Volkmar Bräuer, Leiter der BGR-Abteilung Unterirdischer Speicher und Wirtschaftsraum. Dass sowohl Bayern als auch Sachsen gegen den fast 700-seitigen Bericht der Endlager-Kommission gleich Vorbehalte angemeldet haben, erbost das grün geführte Umweltministerium in Stuttgart und wundert Grunwald: "Die Endlagerung ist eine nationale Aufgabe."

Experte erwartet feste Kriterien im Herbst

Im Herbst, schätzt Grunwald, werden der Bundestag - und später der Bundesrat - die Suchkriterien und das Verfahren gesetzlich festlegen. Dann sollen ganz schnell mögliche Standorte erkundet werden. Wo in der Vergangenheit intensiv nach Bodenschätzen gesucht wurde, ist der Untergrund relativ gut bekannt: in Ost- und Norddeutschland, dem Alpenvorland oder dem Oberrheingraben etwa. Anders ist es in Mittelgebirgsregionen. "Man weiß nicht überall, wie die Welt unter uns aussieht", sagt Grunwald. Mancherorts muss also wohl nacherhoben werden.

Anwohner und Umweltbehörden sollen mitreden dürfen

"Schwere Fehler" wie bei der Erkundung des Salzstocks in Gorleben sollen sich nicht wiederholen: "Die Leute wurden nicht mitgenommen", kritisiert Grunwald. Im neuen Verfahren sollen Regionalkonferenzen Mitspracherechte sichern. Anwohnern, Gemeinden und Umweltverbänden werden in verschiedenen Phasen der Standortauswahl Klagemöglichkeiten eingeräumt. "Die Menschen müssen verstehen können, warum der dann gewählte Standort ein guter ist."

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erwartet, dass das nationale Endlager 2050 in Betrieb genommen werden kann. "Das ist sehr optimistisch gedacht. Da darf nichts schiefgehen", meint KIT-Experte Grunwald in Hinblick auf mögliche Anwohnerklagen oder auf Erkundungen, die am Ende nicht weiterführen.

Quelle: DPA