Informationspolitik in Kritik

Endlager Asse II: Anwohner haben Angst vor dem Atommüll

Im ehemaligen Salzbergwerk Asse II, dem ältesten Atommüll-Endlager der Republik, wurde offenbar schon vor Jahren radioaktiv verseuchte Salzlauge gefunden - doch davon wusste die Bevölkerung nichts. Daher sind viele Menschen in der Region verärgert und verängstigt.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Remlingen/Wolfenbüttel (ddp-nrd/sm) - In dem als Forschungsbergwerk deklarierten Endlager Asse II lagern seit Jahrzehnten mehr als 125.000 Fässer mit schwach- oder mittelradioaktivem Müll. Damals galt Asse als sicher, der Müll lagert zum Teil seit 40 Jahren dort, doch noch nie war die Stimmung so Asse-kritisch wie derzeit.

Grund dafür ist vor allem am Helmholtz Zentrum München (HZM), die Betreibergesellschaft des Bergwerks. Die HZM habe in den vergangenen Tagen mit einer beispiellosen Salamitaktik Informationen zu Grenzwertüberschreitungen immer nur scheibchenweise herausgegeben, lautet der Vorwurf. Seit Jahren schon dringt in die Stollen Salzlauge ein. Dass in dieser Lauge nun Cäsium und Plutonium gefunden wurden, könnte bedeuten, dass die dort gelagerten Atommüll-Fässer bereits undicht sind.

Langsam wächst der Ärger in den Gemeinden rund um das frühere Bergwerk. Erst als der Kreis nachgefragt habe, was eigentlich in dieser Lauge drin sei, habe man von der Kontaminierung erfahren. Die Kreisverwaltung sei immer davon ausgegangen, "dass man uns bei Gefahr informiert", sagt Röhmann.

Trotz des Unmuts haben die Gegner von Asse seit jeher ein Mobilisierungsproblem: Die Leute seien "sehr viel leichter gegen Windkraftwerke auf die Straßen zu kriegen als gegen Atommüll - denn Strahlung sieht man nicht", sagt Udo Dettmann vom "Asse-II-Koordinationskreis".

HZM weißt Kritik an Informationspolitik zurück

Dettmann setzt schon seit Jahren mit Asse auseinander. Er will die geplante Flutung zur Schließung des Bergwerkes mit einer Magnesium-Chlorid-Lösung verhindern. Die HZM ist überzeugt, damit den Zusammenbruch des Grubengebäudes verhindern zu können. Dettmann hingegen glaubt, dass die Flutung die Metall- und Blechcontainer, in denen der Atommüll aufbewahrt wird, in wenigen Jahren korrodieren lässt und sich der strahlende Müll in dem Magnesium-Chlorid-Gemisch auflöst.

Dieser Darstellung widerspricht HZM-Sprecher Heinz-Jörg Haury. Zwar gehen auch die Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München davon aus, dass die Behälter korrodieren. Dass das Endlager Asse II dadurch unsicher würde, weist er aber zurück. "Das hat nichts miteinander zu tun." Auch die Anschuldigungen seitens der Politik, das HZM habe Informationen über die radioaktive Belastung zurückgehalten, seien unberechtigt. Man habe ab 1998, als erstmals die Grenzwerte überschritten wurden, sofort das Landesbergamt informiert. Von einem Vertuschungsversuch könne also keine Rede sein: "Wir haben aus dem Sturm der Entrüstung aber gelernt", sagt Haury. Man werde solche Erkenntnisse künftig umgehend öffentlich machen.

An diesem Freitag hat das HZM erstmals Gelegenheit dazu. Wegen der aktuellen Ereignisse stehen HZM-Experten erneut dem Umweltausschuss des niedersächsischen Landtages Rede und Antwort.