Laugentransport gestoppt

Endlager Asse: Betreiber bestätigt Funde von Plutonium und Strontium

Das Atommüllendlager Asse II sorgt weiter für Schlagzeilen. Nachdem bereits das Vorkommen von Cäsium in der im Bergwerk befindlichen Lauge bestätigt wurde, räumte das Helmholtz-Zentrum München jetzt ein, dass mit Strontium, Radium und Plutonium weitere radioaktive Stoffe festgestellt wurden.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Wolfenbüttel (ddp-nrd/sm) - Damit bestätigte eine Sprecherin des Landkreises Wolfenbüttel Berichte von Mitgliedern des sogenannten Asse-Begleitgremiums, das den Landkreis berät und am Montagabend getagt hatte.

Das Umweltministerium untersagte in der Zwischenzeit dem Helmholtz-Zentrum als Betreibergesellschaft, die mit Cäsium 137 kontaminierte Lauge weiterhin in tiefere Schichten zu pumpen. Zunächst müsse geprüft werden, ob der rechtliche Rahmen für dieses Verfahren ausreiche, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Sie betonte, es bestehe keinerlei Gefahr für Mensch und Umwelt.

Heinz-Jörg Haury, Sprecher des Helmholtz-Zentrums, sagte, neben dem "Leitnuklid" Cäsium seien auch andere radioaktive Stoffe in der Lauge gemessen worden. "Das waren allerdings nur ein paar Becquerel und ein paar Atome." Für Umwelt und Menschen sei dadurch kein Schaden entstanden.

Der Göttinger Chemieprofessor Rolf Bertram bezeichnete die neuerlichen Funde als "alarmierend". Dass sich nun auch Konzentrationen von Plutonium und Strontium im Asse-Wasser befänden, habe "eine neue besorgniserregende Qualität". Insbesondere Plutonium sei hochgiftig. "Für mich heißt das, dass die im Bergwerk eingelagerten Gebinde wahrscheinlich undicht sind", sagte Bertram. Der Wissenschaftler ist einer von drei Experten, die das Asse-Begleitgremium fachlich beraten sollen.

Am Montag hatten das Helmholtz-Zentrum und das niedersächsische Umweltministerium die Mitglieder des Umweltausschusses über die Lage in dem Bergwerk informiert. Dabei räumten die Betreiber ein, dass die Cäsium-Konzentrationen in der Salzlauge die Grenzwerte um bis zum achtfachen Wert überschritten. Ende April waren vom Betreiber lediglich Cäsium-Werte "im Bereich der Umweltradioaktivität" angegeben worden.

In der Umweltausschusssitzung war zudem bekanntgeworden, dass die radioaktiv belastete Lauge vom Betreiber in tiefere Bereiche des Endlagers abgeleitet wird. Grundlage dafür ist nach Angaben des Helmholtz-Zentrums ein vom Land genehmigter, bergrechtlicher Sonderbetriebsplan aus dem Jahr 2007. Die Grünen verlangten, diesen Plan öffentlich zu machen. Es sei fragwürdig, dass atomrechtliche Regelungen wie der Transport radioaktiver Lauge in einer bergrechtlichen Genehmigung festgeschrieben worden seien, sagte Fraktionschef Stefan Wenzel.

Das Endlager Asse ist nach offizieller Darstellung ein Forschungsbergwerk. Die Einlagerung von Atommüll begann 1967. Rund 125.000 Fässer mit schwach- und weitere 1300 Fässer mit mittelradioaktivem Atommüll wurden bis 1978 in die Kammern gebracht - vor allem Abfälle aus Forschungseinrichtungen, Atomkraftwerken und Krankenhäusern. Teilweise kippten Schaufellader die Tonnen über die Abhänge in tiefere Kammern. Seit 1988 quillt salzhaltiges Wasser aus unbekannter Quelle in die Grube, nach Angaben der Betreiber sind es jeden Tag rund zwölf Kubikmeter.

Betreiber, Behörden und Anwohner streiten seit Jahren darüber, wie das Endlager sicher verschlossen werden kann. Das Helmholtz Zentrum will die Stollen und Schächte mit Salzstaub füllen und die restlichen Hohlräume mit einer Magnesium-Chlorid-Lösung fluten. Atomkraft-Kritiker fordern dagegen eine Lösung, bei der die Fässer wieder ausgegraben werden können.