Keine Chance

Endgültiges Aus für Hamburger Aluminium-Werk beschlossen

Ohne eine Lösung haben Vattenfall und die Gesellschafter des Hamburger Aluminium-Werkes (HAW) die Gespräche zur Rettung des Unternehmens abgebrochen. Damit steht fest, dass das Werk bis Ende des Jahres stillgelegt wird. Die Geschäftsführung hat nun 300 Entlassungen zum nächstmöglichen Termin angekündigt.

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Hamburg (ddp/sm) - Der Versuch zur Rettung des Hamburger Aluminium-Werkes (HAW) ist definitiv gescheitert. Das Werk wird Ende des Jahres weitgehend stillgelegt, wie die Geschäftsführung der Belegschaft gestern mitteilte. Zuvor waren Verhandlungen zwischen den Gesellschaftern und dem Energieunternehmen Vattenfall über einen neuen Stromtarif ohne Einigung abgebrochen worden. Die Belegschaft will dennoch am Samstag vor dem Vattenfall-Kundenzentrum in der Hamburger City für eine praktikable Lösung demonstrieren.

"Damit ist ein Hoffnungsschimmer geplatzt", sagte Betriebsratschef Karl-Heinz Dieck der Nachrichtenagentur ddp. Jetzt wolle man versuchen, einen Gesellschafter zu finden, der das Werk übernehme. Betriebsrat und Gewerkschaftsvertreter berieten dazu am Nachmittag mit Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU). Bedingung sei Uldall zufolge, dass die Energiekosten in Deutschland im internationalen Vergleich dauerhaft konkurrenzfähig sind.

Dieck verwies in diesem Zusammenhang auf das Beispiel der Essener Trimet Aluminium AG, die von einem Privatinvestor übernommen worden sei. Die Hütte habe im Juni mit RWE einen neuen Stromliefervertrag bis 2009 abgeschlossen. "Warum sollte so etwas nicht auch hier funktionieren", fragte Dieck.

Laut Betriebsrat hat die Geschäftsführung bereits für kommenden Monat mehr als 300 Entlassungen zum nächstmöglichen Termin angekündigt. Alle Verträge mit Lieferanten und Dienstleistern seien gekündigt worden. Die Gießerei mit ihren 130 Beschäftigten solle noch im Juli in eine neue GmbH umgewandelt und selbstständig werden. Der Betriebsrat fürchtet dort weitere Entlassungen, weil die Geschäftsführung lediglich für 70 Mitarbeiter eine Beschäftigungsgarantie geben wolle.

DGB-Nord-Chef Peter Deutschland forderte Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) auf, "das Thema Energieversorgung endlich zur Chefsache" zu erklären. Außerdem müssten die norddeutschen Ministerpräsidenten gemeinsam politischen Druck erzeugen, um den Industriestandort Norddeutschland durch eine zukunftsweisende Energiepolitik zu sichern, sagte von Beust.

Parallel verhandeln Geschäftsführung und Betriebsrat weiter über einen Sozialplan, für den die HAW-Gesellschafter Norsk Hydro (Norwegen), Alcoa (USA) und Amag (Österreich) 36 Millionen Euro zur Verfügung gestellt haben sollen. Die Betreiber hatten die Schließung der Alu-Hütte mit steigenden Strompreisen begründet.