Gegenangebot

Endesa-Übernahme durch E.ON immer unwahrscheinlicher (Upd.)

Im Ringen um eine Übernahme des spanischen Versorgers Endesa bekommt E.ON Konkurrenz. Der italienische Versorger Enel und der spanische Konzern Acciona teilten heute morgen mit, sie befänden sich in Gesprächen über ein gemeinsames Handeln und wollen den Aktionären ein höheres Angebot als E.ON bieten.

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Rom/Madrid (ddp/sm) -Für den größten deutschen Energiekonzern E.ON wird eine erfolgreiche Übernahme des spanischen Versorgers Endesa zunehmend unwahrscheinlich. Der italienische Wettbewerber Enel und der spanische Mischkonzern Acciona stellten den Endesa-Aktionären heute knapp eine Woche vor Ablauf des Übernahmeangebots aus Düsseldorf ein gemeinsames Gebot für den Fall in Aussicht, dass es E.ON nicht gelingt, mehr als die Hälfte des Aktienkapitals von Endesa hinter sich zu bekommen.

Die Chancen für die beiden Konzerne stehen nicht schlecht. Gemeinsam kommen Enel und Acciona auf 45,9 Prozent Endesa-Aktien. Auf Acciona entfallen dabei 21 Prozent. Enel hat bereits angekündigt, den eigenen Anteil noch weiter auf knapp unter 30 Prozent aufzustocken, wenn das spanische Übernahmerecht - wie derzeit geplant - so geändert wird, dass eine Erhöhung rechtlich möglich wird.

Die Erklärungen der beiden Endesa-Großaktionäre könnten dazu führen, dass viele Endesa-Aktionäre ihre Aktien kurz vor Ablauf der Frist doch nicht E.ON andienen, sondern auf ein noch höheres Angebot der beiden anderen Konzerne setzen. Analysten werteten die Entwicklung übereinstimmend als negativ für E.ON. "Die Chancen, dass E.ON einen nennenswerten Anteil an Endesa angedient bekommt, sind damit natürlich kräftig gefallen", sagte Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck & Co.

Giovanni Cherubini von der Banca Akros in Mailand wertete die Ankündigung als starkes Signal an die Endesa-Aktionäre, auf ein besseres Gebot zu warten: "Effektiv zielt es darauf ab, das E.ON-Gebot zu blockieren", sagte er. Die spanische Bank Banesto schreibt in einer Analyse gar, die spanische Finanzmarktaufsicht könnte den Endesa-Aktionären gestatten, ihre schon E.ON angedienten Aktien zurückzuziehen, falls Enel zu einem späteren Zeitpunkt ein Gegengebot abgebe.

Formell haben Acciona und Enel noch kein gemeinsames Vorgehen vereinbart. Die Vorbereitungen dazu seien aber positiv verlaufen, hieß es in Medienberichten. Verschiedene Zeitungen in Italien und Spanien schrieben am Freitag, Acciona und Enel wollten zusammen mindestens 40 Euro je Endesa-Aktie bieten. In einer Zeitung ist sogar von 42 Euro die Rede. E.ON bietet derzeit 38,75 Euro je Anteilsschein. Die Offerte über insgesamt 41 Milliarden Euro läuft noch bis zum 29. März.

Wie sich E.ON angesichts der neuen Entwicklung verhalten wird, ist noch unklar. Eine Sprecherin sagte, der Konzern prüfe mögliche rechtliche Konsequenzen, die sich aus den Mitteilungen ergäben. Das Angebot werde fortgeführt. Zu weiteren Details wollte sie sich nicht äußern.

Als Hindernis für Acciona und Enel bei einer Endesa-Übernahme könnte sich die noch gültige Begrenzung der Stimmrechte pro Aktionär auf zehn Prozent erweisen. Eine operative Führung wäre selbst im Falle einer gemeinsamen Kapitalmehrheit schwierig. E.ON wollte die Beschränkung zunächst per Hauptversammlungsbeschluss aufheben lassen, hat diese Angebotsbedingung Anfang März aber wieder fallen gelassen, um so ein Bündnis von Enel und Acciona zu erschweren. Die E.ON-Aktie führte am Freitag mit einem Minus von 2,7 Prozent auf 98,54 Euro die Verliererliste an.