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Endesa-Einigung findet Zustimmung (Upd.)

Spaniens Finanzminister Pedro Solbes zeigte sich erleichtert ob des Rückzugs von E.ON. Auch Analysten bezeichneten die Einigung mit Enel und Acciona als klug: So habe E.ON ohne eine vollständige Übernahme von Endesa Zugang zu den Märkten in Spanien, Italien und Frankreich. Und auch die Bundesregierung ist froh.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Madrid (ddp/sm) - Der spanische Finanzminister Pedro Solbes hat die Vereinbarung zwischen E.ON, Acciona und Enel bei dem Übernahmepoker um den spanischen Versorger Endesa begrüßt. Durch das Abkommen werde Endesa in der Zukunft "stark und unabhängig", sagte Solbes der staatlichen spanischen Nachrichtenagentur EFE am Montagabend.

Auch die Bundesregierung hat den Kompromiss im Übernahmekampf um den spanischen Energiekonzern Endesa positiv beurteilt. "Die Bundesregierung begrüßt, dass es eine solche Verständigung gibt und damit Perspektiven für alle beteiligten Unternehmen auf zusätzliches Wachstum und auf zusätzliche Märkte", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg heute in Berlin. Die Bundesregierung hoffe, dass die Vereinbarung zwischen dem Düsseldorfer Energiekonzern E.ON, der spanischen Acciona-Gruppe und der italienischen Enel rasch umgesetzt wird, sagte Steg weiter.

Steg betonte, dass derartige Entscheidungen "zuallererst strategische Entscheidungen von Unternehmen" in deren Bemühungen seien, sich durch die Übernahme von Firmen neue Marktanteile zu erobern und sich damit Entwicklungsperspektiven in anderen Ländern zu eröffnen. "Insoweit hat sich die Bundesregierung immer zurückhaltend, aber doch klar positioniert und insbesondere deutlich gemacht, dass sie davon ausgeht, dass es auf spanischer Seite keine unzulässigen Hürden für die Bestrebungen von E.ON gibt", sagte Steg.

Der größte deutsche Energiekonzern hatte am Montag mitgeteilt, mit seinen Konkurrenten, dem italienischen Energiekonzern Enel und dem spanischen Mischkonzern Acciona, einen Rückzug von seinem Angebot vereinbart zu haben, sollte dem Düsseldorfer Unternehmen bei dem laufenden Verfahren keine Mehrheit der Endesa-Aktien angedient werden. Im Gegenzug soll E.ON ein umfangreiches Beteiligungspaket im Gesamtvolumen von zehn Milliarden Euro erhalten.

Solbes zufolge führt die getroffene Vereinbarung nicht zu einer Aufteilung von Endesa. Vielmehr entstehe eine "Verlagerung von Vermögenswerten". Das Abkommen betreffe vorwiegend die ausländischen Märkte. Die spanische Regierung hatte dem E.ON-Vorhaben ablehnend gegenüber gestanden. Sie hatte eine Fusion im eigenen Land bevorzugt.

Die Analysten der UBS begrüßten den Rückzug von E.ON. Das Unternehmen habe nach der Einigung Zugang zu den Märkten in Spanien, Italien und Frankreich, ohne Endesa vollständig übernehmen zu müssen, erklärten sie am Montagabend. Der Verzicht lasse E.ON zudem finanziellen Spielraum für Aktienrückkäufe oder eine höhere Dividende. Die mit Enel und Acciona getroffene Vereinbarung steigere das Ergebnis je Aktie von E.ON um sieben bis acht Prozent, schätzt die UBS. Die E.ON-Aktie hat am Tag nach dem Endesa-Ausstieg ihren Höhenflug fortgesetzt. Das im Leitindex DAX notierte Papier legte am Dienstag bis 10.00 Uhr um 6,5 Prozent auf rund 109 Euro zu.

Der E.ON-Vorstandsvorsitzende Wulf Bernotat will sich am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Madrid ausführlich zu der Einigung äußern.

Der italienische Versorger Enel und der spanische Baukonzern Acciona wollen den Prospekt ihrer gemeinsamen Übernahmeofferte für den spanischen Stromlieferanten Endesa am 12. April der spanischen Börsenaufsicht CNMV vorlegen. Dies berichtet eine mit der Materie vertraute Person am Dienstag. Das Übernahmegebot hat ein Volumen von über 43 Milliarden Euro. Die beiden Unternehmen kontrollieren bereits rund 46 Prozent des Endesa-Kapitals. Beide Gesellschaften hatten am 26. März beschlossen, im Verbund für den Versorger mit Sitz in der spanischen Hauptstadt Madrid zu bieten.