Marktsituation

EnBW zu massiven Abschreibungen gezwungen

EnBW folgt dem Beispiel seines Konkurrenten RWE und nimmt kräftige Wertberichtigungen vor. Probleme mit den konventionellen Kraftwerken sowie die stark gefallenen Börsenstrompreise werden als Hauptursache benannt. Die Erwartungen hätten sich deutlich verschlechtert, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

EnBW  Energie Baden-Württemberg© EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Karlsruhe (dpa/red) - Die abgestürzten Börsenstrompreise zwingen auch Deutschlands drittgrößten Energieversorger EnBW zu massiven Abschreibungen. Der Karlsruher Konzern kündigte am Dienstag eine Wertberichtigung von rund 1,2 Milliarden Euro auf seinen Kraftwerkspark an. Dazu kämen höhere Verlustrückstellungen in Höhe von 300 Millionen Euro. Branchenvize RWE hatte zuletzt zu Jahresbeginn den Wert seiner Anlagen um 3,3 Milliarden Euro reduziert.

Schmerzgrenze erreicht

"Wir haben den Wert der Kraftwerke runtergesetzt. Vor allem bei den Kohlekraftwerken müssen wir uns künftig auf weniger Erträge einstellen", sagte ein EnBW-Sprecher. Die Erwartungen hätten sich deutlich verschlechtert, begründete der Konzern seinen Schritt: "Eine Verbesserung der Marktsituation ist nach Einschätzung der EnBW mittelfristig nicht in Sicht." Die Preise seien "unter jede Schmerzgrenze gesunken", fügte der Sprecher hinzu.

Probleme mit konventionellen Kraftwerken

Unrentable Kraftwerke machen dem Unternehmen zu schaffen: EnBW will zwei Blöcke seines Steinkohlekraftwerks in Heilbronn außer Betrieb nehmen. Außerdem wehrt sich der Konzern zurzeit gerichtlich gegen ein Abschaltverbot für Kraftwerke in Marbach und Walheim (beide Kreis Ludwigsburg). Das Unternehmen hat konventionelle Kraftwerke an sieben Standorten, an weiteren ist er beteiligt.

Halbjahresabschluss am ersten August

Die Milliarden-Sonderbelastungen hätten aber keinen Einfluss auf das operative Ergebnis, betonte der drittgrößte deutsche Energieversorger. "Mit dem operativen Geschäft haben sie nichts zu tun", sagte der Sprecher weiter. Auch würden sie nicht als Grundlage für die Bemessung der Dividende genommen. Der Halbjahresabschluss soll am 1. August vorgestellt werden.

Die Prognose für das operative Ergebnis im laufenden Jahr bleibe zunächst unverändert: Das Unternehmen hatte angekündigt, 2014 auf dem Niveau des Vorjahres (2,2 Milliarden) bis maximal fünf Prozent darunter zu bleiben.

Auf Erneuerbare setzen

An der Strategie von EnBW werde sich nichts ändern, sagte der Sprecher. "Wir setzen schon seit geraumer Zeit nicht mehr auf fossile, konventionelle Energien, sondern auf die Erneuerbaren", sagte er. EnBW investiert kräftig in neue Projekte - etwa in ein Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk in Nordrhein-Westfalen, den Ostsee-Windpark Baltic 2 und den Netzausbau.

Gewinn in vergangenen Jahr

Der Konzern ist fast ganz in öffentlicher Hand: Hauptaktionäre sind mit je 46,75 Prozent das Land Baden-Württemberg und der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke. Im vergangenen Jahr erzielte EnBW einen Umsatz von 20,5 Milliarden Euro. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 51 Millionen Euro nach 484 Millionen im Vorjahr.

Quelle: DPA