EnBW verzichtet auf Neubautrasse in Oberschwaben

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com
Die EnBW verzichtet definitiv auf den Neubau einer 380-kV-Höchstspannungsleitung zwischen Balingen-Engstlatt und Herbertingen. Dies gab die federführende EnBW Transportnetze AG in Stuttgart bekannt. Grundlage der Entscheidung ist eine vertragliche Vereinbarung mit der RWE Energie AG über die Nutzung der von Tiengen am Hochrhein nach Ludwigsburg-Hoheneck führenden RWE-Leitung. "Wir haben eine partnerschaftliche Lösung gefunden", betonte Dr. Joachim-Heinrich Stamer, Vorstandssprecher der EnBW Transportnetze AG, "die beiden Seiten nutzt und die Versorgungssicherheit weiter Teile Oberschwabens langfristig gewährleistet".


Grundlage der bis in die frühen achtziger Jahre zurückreichenden Trassenplanung Engstlatt-Herbertingen war das Erfordernis, die Stromversorgung im Bereich der Umspannwerke Herbertingen und Grünkraut (bei Ravensburg) gegen Leitungsstörungen durch einen zweiten Stromkreis abzusichern. Das Versorgungsgebiet dieser Umspannwerke umfasst den Raum vom Bodensee bis vor die Tore Ulms und damit unter anderem die Städte Friedrichshafen, Ravensburg, Sigmaringen und Biberach. Die energiewirtschaftliche Notwendigkeit dieses Projektes war seiner Zeit im Auftrag des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums gutachterlich bestätigt worden. Parallel zur Planung der 60 Kilometer langen Neubaustrecke, die vor allem wegen der unvermeidlichen Eingriffe in die Landschaftsräume der Schwäbischen Alb und des Donautales umstritten war, sondierte die EnBW (vormals die EVS) Alternativlösungen. Eine solche Lösung bot sich in Kooperation mit der RWE Energie AG an, die eine eigene 380-kV-Leitung in diesem Teil des EnBW-Versorgungsgebietes betreibt. Seit dem Jahr 1996 hat die EnBW auf der RWE-Leitung Tiengen-Hoheneck ein bis Mitte 2002 befristetes Nutzungsrecht. Über eine Verlängerung dieser Vereinbarung wurde seit geraumer Zeit verhandelt. Nun konnten diese Verhandlungen mit einem Rahmenvertrag ohne zeitliche Befristung abgeschlossen werden. Er erlaubt der EnBW dauerhaft die Nutzung der RWE-Leitung und macht damit den Bau einer eigenen Höchstspannungsleitung in diesem Gebiet überflüssig.


Dr. Stamer begrüßte den Vertragsabschluß mit der RWE Energie AG nachdrücklich. Er zeige, dass auch im hart umkämpften Strommarkt unter Wettbewerbern ein vernünftiges Miteinander möglich sei. "Die Nutzung der vorhandenen RWE-Leitung ist vernünftig, weil sie im Lichte der inzwischen veränderten Laststeigerungsprognosen eine technisch ausreichende Lösung erzielt, dabei wirtschaftlich sinnvoll ist und die Landschaft schont".