Zur Konsolidierung

EnBW verkauft Beteiligung an spanischem Versorger

Der Karlsruher Energieversorger hat eine seiner größten Auslandsbeteiligungen verkauft, um die finanzielle Konsolidierung weiter voranzutreiben. Weil die 34,58-prozentige Beteiligung am spanischen Versorger Hidrocantabrico langfristig keine Marktsynergien biete, wurde sie für 649 Millionen Euro versilbert.

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Karlsruhe (red) - Der drittgrößte deutsche Stromkonzern EnBW Energie Baden-Württemberg AG verkauft seine 34,58-prozentige Beteiligung am spanischen Energieunternehmen Hidroelectrica del Cantabrico, S.A. (Hidrocantabrico) an den portugiesischen Stromversorger Electricidade de Portugal, S.A. (EdP). Dadurch erhält der momentan finanzschwache Konzern Mittel in Höhe von 649 Millionen Euro. Für die Gewinn- und Verlustrechnung würden sich im zweiten Halbjahr jedoch keine größeren Ergebniseffekte ergeben, teilte der Konzern mit. Die Portugiesen hatten seit längerem Interesse an Hidrocantabrico gezeigt, um nach Spanien zu expandieren, mussten damit aber bis zur Abschaffung einer Stimmrechtsbegrenzung bei spanischen Versorgern warten.

Zusätzlich zur EnBW-Beteiligung übernehmen die Portugiesen auch die 17,6 Prozent an der Hidrocantabrico, die bisher von der spanischen Sparkasse Cajastur gehalten wurden. Auch der 4,1-prozentige Anteil der spanischen Caser-Gruppe wandert ins Portfolio der EdP. Das spanische Finanzinstitut Cajastur erhält im Gegenzug Aktien der EdP und wird mit 5,4 bis 5,8 Prozent ihr größter privater Aktionär. Caser und Cajastur behalten jeweils 3,1 Prozent als strategische Beteiligung an Hidrocantabrico.

Allerdings kann EnBW durch den Mittelzufluss seine Finanzschulden um knapp 650 Millionen Euro reduzieren. Unter Berücksichtigung des seit Jahresmitte 2003 bereits geleisteten Schuldenabbaus ermöglicht die Umsetzung dieser Transaktion damit einen Gesamtschuldenabbau in Höhe von fast zwei Milliarden Euro seit Beginn der Sanierung der EnBW. Zudem steigt die Eigenkapitalquote dadurch auf voraussichtlich knapp zehn Prozent. EnBW-Vorstandschef Dr. Utz Claassen bezeichnete den Verkauf daher auch als "Meilenstein auf dem Weg zur erfolgreichen Konsolidierung".

Als Grund für den Verkauf - Pläne dazu waren noch im Winter dementiert worden - erläuterte Pierre Lederer, EnBW-Vorstandsmitglied: "Im Rahmen der Überprüfung aller EnBW-Beteiligungen hat sich jedoch gezeigt, dass die Beteiligung an Hidrocantabrico langfristig für die EnBW keine nennenswerten Marktsynergien bietet, während die EdP als portugiesisches Unternehmen diese Synergien im Nachbarland Spanien und insbesondere im zukünftigen gemeinsamen iberischen Markt realisieren kann. Vor diesem Hintergrund konnte die EnBW ihre Anteile an Hidrocantabrico zu angemessenen Konditionen an EdP veräußern."

EnBW will sind nun auf die fokussierte Kernregion sowie den ost- und mitteleuropäischen Energiemarkt konzentrieren.