Scheinkontrolle

EnBW-Chef Goll fordert in der "Zeit" staatliche Kontrolle gegen Netzmissbrauch

Kurz vor seinem Abschied als Chef eines der größten deutschen Stromkonzerne, rechnete EnBW-Vorstandsvorsitzender Gerhard Goll in der Wochenzeitung "Zeit" mit dem "Scheinwettbewerb durch den verhandelten Netzzugang" ab. Über den Fortbestand der EnBW-Tochter Yello äußerte er sich trotz Verlusten um 500 Millionen Euro zuversichtlich.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Stromfirma Yello hat ihrem Mutterkonzern Energie Baden-Württemberg (EnBW) bisher Verluste in der "Größenordnung" von 500 Millionen Euro beschert. Das erklärt der EnBW-Vorstandsvorsitzende und Yello-Gründer Gerhard Goll der Wochenzeitung "Zeit". Yello habe "rund eine Million Kunden". Dank eines neuen Tarifsystems vergrößerten neue Kunden aber inzwischen nicht mehr den Verlust der Firma, so Goll. Zuversichtlich äußert sich der EnBW-Chef, dass auch sein Nachfolger an Yello festhalten werde. Goll geht nächste Woche in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist der derzeitige Sartorius-Chef Utz Claasen.

Als "Fehler" kritisiert Goll in der "Zeit" den verhandelten Netzzugang, für den sich die damals noch CDU-geführte Bundesregierung vor fünf Jahren bei der Liberalisierung des Strommarktes entschieden habe. Damit habe sich der Staat "gegen den Wettbewerb entschieden". Wegen überhöhter Netzentgelte seien neue Stromanbieter entweder nicht wettbewerbsfähig oder sie müssten Verluste in Kauf nehmen. Neue Stromanbieter hätten deshalb "so gut wie keine Chance". Wer den Missbrauch der Netze ausschließen wolle, müsse sie mittels staatlicher Kontrolle "neutralisieren", sagt Goll. Die Bundesregierung warnt er davor, auf diejenigen zu hören, "die allenfalls eine Scheinkontrolle auf der Basis der Verbändevereinbarung wollen". Wer wirklich Wettbewerb wolle, müsse auch eine neutrale Kontrolle des Netzzugangs wollen. "Alles andere führt zurück zum Monopol."

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