Contra Atomausstieg

EnBW-Chef fordert längere Restlaufzeiten für Kernkraftwerke

Utz Claassen begründete seine Forderung nach längeren Restlaufzeiten für Kernkraftwerke insbesondere mit den "energiewirtschaftlichen und ökologischen Zielen" Deutschlands. Im Ausstiegsfalle würden die Strompreise noch weiter steigen, so Claassen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Leipzig (ddp/sm) - Der Chef des Energieversorgers EnBW, Utz Claassen, verlangt längere Laufzeiten für Atomkraftwerke. "Der Ausstieg aus der Kernenergie in seiner heutigen Terminierung ist mit den energiewirtschaftlichen und ökologischen Zielen dieses Landes objektiv nicht vereinbar", sagte Claassen der "Leipziger Volkszeitung" (Montagausgabe) laut Vorabbericht. Dieser Schritt werde zu weiter steigenden Strompreisen in Deutschland führen.

Zudem sei es unmöglich, die ausfallenden Kraftwerkskapazitäten allein durch erneuerbare Energie zu ersetzen, sagte Claassen. Deshalb müssten die Lücken durch neue Kohle- oder Gaskraftwerke geschlossen werden. Das aber führe zu einem höheren Kohlendioxidausstoß und damit zu einem Verstoß gegen das Kyoto-Protokoll. Derzeit helfe der Atomstrom, 165 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr in Deutschland zu vermeiden.

Die geplanten Abschaltung der Atomkraftwerke führe zudem dazu, dass ein funktionierendes volkswirtschaftliches Vermögen von etwa 30 Milliarden Euro vorzeitig außer Dienst gestellt werde, sagte Claassen. Weil es nur wenig Anbieter fossiler Brennstoffe wie Öl und Gas gebe, würde durch eine übermäßige Ausrichtung auf diese Energieträger die internationale Abhängigkeit der Bundesrepublik von den Förderländern verstärkt. "Schon allein deshalb sollte die große Koalition den Ausstiegsbeschluss überdenken", forderte Claassen und plädierte für eine Verlängerung der Restlaufzeit um acht bis zehn Jahre.