Im zweistelligen Prozentbereich

EnBW-Chef: Atomausstieg bringt steigende Stromkosten

EnBW-Vorstandsvorsitzender Claassen hat vor steigenden Stromkosten im Zuge des Atomausstiegs gewarnt. Die Erzeugungskosten würden durch das Abschalten der Reaktoren "deutlich ansteigen, und zwar im deutlich zweistelligen Prozentbereich", sagte Claassen dem "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe).

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - "Wir haben als Gesellschaft die Kühnheit, 30 Milliarden Euro volkswirtschaftlichen Vermögens vorzeitig außer Betrieb nehmen zu wollen. Obwohl wir wissen, dass die Kernkraft 150 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr vermeidet", sagte Utz Claassen, Vorstandschef des Karlsruher Energiekonzerns EnBW. "Damit erzwingen wir Investitionen in neue Kohlekraftwerke und beklagen dann zugleich zusätzliche Klimagase." Dies sei ein Beispiel für die "mangelnde Faktenorientierung politischer Entscheidungsprozesse". Claassen schlug vor, die Restlaufzeiten der Kernkraftwerke um acht bis zehn Jahre zu verlängern - auch vor dem Hintergrund der Klimadiskussion. Dann bekomme man Spielraum für die Weiterentwicklung erneuerbarer Energien.

Claassen warnte zugleich vor zu vielen staatlichen Verboten im Sinne des Klimaschutzes. Es gebe derzeit "eine umfassende Einmischung des Staates ins Private". Die Bürger würden gemahnt, nicht mehr zu fliegen, das Auto stehen zu lassen, nichts Ungesundes zu essen, nicht mehr zu rauchen oder keine Glühbirnen zu benutzen. "Das darf nicht so weit gehen, dass der Staat die letzten Bereiche des Privatlebens bestimmt und kontrolliert. Wir sind auf dem Weg in die totale Lifestyle-Regulierung - das ist das Gegenteil einer freiheitlichen Gesellschaft", sagte der Manager.