Bilanz 2003

EnBW: Altlasten drücken Konzernergebnis / Trennung von Thermoselect

Der drittgrößte deutsche Energieversorger EnBW hat heute in Karlsruhe seine Bilanz für 2003 vorgestellt. Durch die "Altlasten" bleibt das Ergebnis weiterhin im dunkelroten Bereich. Zur Bereinigung des Portfolios hat der Konzern den Ausstieg aus dem Thermoselect-Projekt in Karlsruhe und den Verkauf von APCOA bekanntgegeben. Und: Yello bleibt eigenständig, aber weiter unter Druck.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Karlsruhe (red) - Großer Tag heute für den neuen Vorstandsvorsitzenden des Energiekonzerns EnBW: Utz Claasen stellte heute in Karlsruhe seinen ersten Geschäftsbericht und die neue Konzernorganisation vor. Mit der Zusammenlegung von Vertrieb und Service sollen Synergieeffekte erzielt werden. Yello bleibt weiterhin eigenständig, Claasen will aber noch in diesem Jahr eine "schwarze Null" vor Steuern sehen.

Über eine Milliarde Euro Verlust

Das Konzernergebnis insgesamt wurde durch außerordentliche Belastungen in Höhe von 1,33 Milliarden Euro u.a. aus erforderlichen Abschreibungen, Wertberichtigungen und Risikovorsorgen geprägt. Nach dem heute erstmals nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS/IAS) präsentierten Jahresabschluss 2003 belief sich das Ergebnis vor Steuern (EBT) für das Jahr 2003 in Summe auf nahezu minus 1,1 Milliarden Euro. Durch eine konsequente Neuausrichtung des Konzerns auf seine Kerngeschäftsfelder, die Bereinigung des 395 Gesellschaften umfassenden Beteiligungsportfolios und die Neujustierung des konzernweiten TOP-FIT-Programms zur Verbesserung der Kostenstruktur hätten jedoch maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die operative Leistungsfähigkeit der EnBW in ihrem Kerngeschäftsfeld in den letzten Monaten wieder positiv entwickelte. "Sehr rasch haben wir deutlich spürbare Erfolge bei der Senkung der Kosten und der Optimierung von Investitionen erzielt und unsere für 2003 gesetzten ehrgeizigen Ziele des TOP-FIT-Programms sogar übertreffen können", bilanzierte Prof. Dr. Utz Claassen, Vorstandsvorsitzender der EnBW Energie Baden-Württemberg AG.

Anstieg des Umsatzes um 25 Prozent

In allen drei Kerngeschäftsfeldern Strom, Gas und energienahe Dienstleistungen steigerte die EnBW ihren Umsatz. So stiegen die Umsätze im Geschäftsfeld Strom von 6,1 Milliarden Euro in 2002 auf 7,4 Milliarden Euro in 2003, im Geschäftsfeld Gas von 534 Millionen Euro (2002) auf 1,4 Milliarden Euro in 2003 und bei den Energie- und Umweltdienstleistungen von 434 Millionen Euro (2002) auf 538 Millionen Euro in 2003. Insgesamt verbesserte die EnBW damit ihren Konzernumsatz um 25 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro.

Altlasten beeinflussen Ertrag negativ

Das Konzernergebnis vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (EBITDA) verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 1,01 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) nahm um 584 Millionen Euro ab und verringerte sich auf minus 190 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern (EBT) sank auf minus 1,09 Milliarden Euro. Entscheidenden negativen Einfluss auf das EBT hatten dabei Altlasten bzw. Einmaleffekte in Höhe von insgesamt 1,33 Milliarden Euro.

Trennung von Thermoselect besiegelt

Der Vorstand der EnBW Energie Baden-Württemberg AG hat den Ausstieg aus dem Thermoselect-Projekt in Karlsruhe beschlossen. Der Betrieb der Anlage soll zum nächstmöglichen Zeitpunkt eingestellt werden. Wesentlicher Grund für diesen Beschluss sei, dass trotz des Ertüchtigungskonzepts ein wirtschaftlich verantwortlicher Weiterbetrieb der Anlage nicht gewährleistet werden könne.

Maßgebend für diese Entscheidung sei auch die Forderung der vier kommunalen Entsorgungspartner gewesen, im Falle des Weiterbetriebs unabhängig vom technischen Erfolg der Ertüchtigung künftig eine 20-jährige Entsorgungsgarantie von der EnBW zu bekommen, begründete Dr. Thomas Hartkopf, Technikvorstand der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Die genauen Ausstiegsbedingungen stehen allerdings noch nicht fest.

APCOA verkauft

Gleichzeitig teilte das Unternehmen heute in Karlsruhe mit, dass Parkgaragen-Dienstleister APCOA AG, derzeit Teil den zum EnWB gehörenden Salamander-Konzerns, an die Investcorp, Private Equity-Unternehmen mit Sitz in London, verkauft werden soll.

Zusammenfassung und Straffung der Gesellschaften

Während die Bereinigung des EnBW-Beteiligungs-Portfolios primär die Komplexität des Konzerns reduzieren soll, dient die heute ebenfalls vorgestellte Reorganisation der EnBW-Kerngesellschaften dazu, die internen Wertschöpfungsketten zu optimieren. Hierzu sollen die operativen Prozesse über Gesellschaftsgrenzen hinweg gestrafft und die Koordination zwischen einzelnen EnBW-Gesellschaften verbessert werden. Zudem sollen klarere Führungsstrukturen zu einer Beschleunigung der Entscheidungs- und Abstimmungsprozesse führen, die Flexibilität der EnBW erhöhen und einen konsistenteren Außenauftritt des Gesamtkonzerns ermöglichen.

Um diese Ziele zu erreichen, sollen die Kerngesellschaften konsequent entlang der Wertschöpfungskette Erzeugung, Handel, Transport/Verteilung und Vertrieb/Endkunden organisiert werden. Dazu zählt auch die Zusammenfassung der bisherigen endkunden- und vertriebsorientierten EnBW Kundenservice GmbH und der EnBW Energie Vertriebsgesellschaft mbH zu einer neuen Vertriebs- und Servicegesellschaft. Diese Gesellschaft soll künftig für Vertrieb, Produkte und Pricing, Logistik und Abrechnung sowie für die Umsetzung des Customer-Relations-Management verantworten.

Yello bleibt selbstständig aber unter Druck

Die Marke Yello bleibe rechtlich selbstständig, soll allerdings zur Verwirklichung von Synergien stärker in die neue Vertriebs- und Servicegesellschaft eingebunden werden. Die EnBW Holding wird künftig verstärkt auch als operative Holding die Kerngesellschaften als übergreifende strategische und koordinierte Konzernführungsgesellschaft führen.

Durch die engere Verzahnung von strategischer und operativer Führung will die EnBW ihren Vertrieb sowie ihr Marketing neu ausrichten. Bei Yello Strom sollen daher die Vertriebskosten bis Ende 2004 um mehr als 30 Prozent und die vertriebsbedingten Personalkosten um mehr als 20 Prozent gesenkt werden. EnBW-Chef Utz Claasen erwartet schon für dieses Jahr eine "schwarze Null" beim Ergebnis vor Steuern und setzt dabei auf ein optimiertes Regionalpreismodell.

Naturenergie wird integriert

Auch die Marke Naturenergie wird in die nationale Vertriebsorganisation der EnBW integriert und dort als Produktlinie weitergeführt. Das Angebot an Strom aus erneuerbaren Energien will die EnBW insbesondere durch Investitionen in den Ausbau der Wasserkraft wesentlich ausweiten.