Französische AKW

Empfehlung: Längere Laufzeit und neue Reaktoren (Upd.)

Eine Expertenkommission hat eine Laufzeitverlängerung für die französischen Atomkraftwerke empfohlen. Die Atomaufsicht muss jetzt noch zustimmen. Derzeit ist eine Laufzeit von 40 Jahren geplant, bei einigen Meilern läuft diese in den nächsten Jahren aus. Auch neue Reaktoren könnten gebaut werden, um das Abschalten älterer Meiler auszugleichen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Paris (afp/red) - In ihrem Bericht, den die Kommission "Energien 2050" am Montag an Energieminister Eric Besson in Paris übergab, warnen die Experten eindringlich vor einem Abschalten von Reaktoren. "Der beste Weg für unser Land ist die Verlängerung der Laufzeiten der bestehenden Atomanlagen, solange die Atomaufsicht dies genehmigt", erklärten die Experten mit Blick auf die Sicherheit.

Besson hatte bereits am Wochenende angekündigt, dass die konservative Regierung eine Verlängerung der Laufzeiten über die bislang geltenden 40 Jahre hinaus plane. Präsident Nicolas Sarkozy habe die Kraftwerksbetreiber aufgefordert, sich auf eine solche Laufzeitverlängerung einzustellen. Dazu müssten Anstrengungen beim Unterhalt der Anlagen und bei der Weiterentwicklung der Sicherheitsstandards unternommen werden.

Opposition will Atomkraft einschränken

Die oppositionellen Sozialisten und Grünen haben vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in diesem Jahr angekündigt, sie wollten den außerordentlich hohen französischen Atomstromanteil bis 2030 von 75 auf 50 Prozent verringern. Atomkraftgegner warnen, dass insbesondere ältere Anlagen wie das Atomkraftwerk Fessenheim an der Grenze zu Deutschland ein Sicherheitsrisiko seien.

Neue Reaktoren könnten gebaut werden

Die Experten sprachen sich nun für den Bau einer kleinen Zahl von neuen Druckwasserreaktoren EPR aus, um die schrittweise Schließung veralteter Atomanlagen auszugleichen. Außerdem sollte die künftige Energieversorgung durch den Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Entwicklung neuer Atomreaktoren gesichert werden.

Die Expertenkommission war von Besson eingesetzt worden. Umweltschützer und Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace hatten eine Teilnahme abgelehnt, weil sie die Zusammensetzung als zu einseitig zugunsten der Atomkraft kritisierten.

Update: Reaktionen auf den Atomkurs Frankreichs

Der Präsidentschaftskandidat und Zentrumspolitiker François Bayrou hob hervor, dass eine Laufzeitverlängerung von der Atomaufsicht entschieden werden müsste. "Das sollte keine Entscheidung der Regierung sein", sagte er dem Sender RTL. Die grüne Präsidentschaftskandidatin Eva Joly hatte zuvor die geplante Laufzeitverlängerung scharf kritisiert. Frankreich sei eines der wenigen Länder in Europa, das die Vorteile der erneuerbaren Energien noch nicht verstanden habe.

Für den sozialistischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande sagte dessen Wahlkampfleiter Pierre Moscovici hingegen in einem Interview für RTL/LCI/Le Figaro, dass an der Atomkraft festgehalten werden solle. Hollande hatte für den Fall seiner Wahl im Frühjahr lediglich die Schließung des Atomkraftwerkes Fessenheim in der nächsten Amtszeit zugesagt. Zwischen Sozialisten und Grünen war es darüber bereits zuvor zu einem Disput gekommen.

In Berlin hatte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin den Atomkurs der französischen Regierung am Wochenende scharf kritisiert. Trotz seiner vielen Atomreaktoren habe das Nachbarland bei der derzeitigen Kältephase Engpässe, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Wegen des Unterangebots lohnten sich bei der Stromproduktion auch noch alte Kohlekraftwerke: "Das ist so ziemlich die dümmste Variante."