Anreize für Verbraucher schaffen

Elektroindustrie kritisiert Klimapaket der Bundesregierung

Die deutsche Elektroindustrie kritisiert das Klimapaket der Bundesregierung. "Wir können nicht immer vorneweg rennen, und die anderen stoßen aus, was wir einsparen", sagte der Präsident des Zentralverbandes Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI), Friedhelm Loh, dem "Focus".

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

München (ddp/sm) - Die deutsche Volkswirtschaft erkaufe den Klimaschutz sehr teuer, wenn sie dadurch nicht mit neuen Technologien neue Märkte schaffe. Die Branche sei unzufrieden, sagte Loh. Die Umsetzungsprozesse liefen viel länger als geplant, die Einwände der Branche würden nicht berücksichtigt. "Es wurde nicht anhand der vorgelegten Fakten, sondern politisch entschieden", sagte Loh. In fast allen Bereich beim Klimaschutz sei die Elektroindustrie relevant, sei es bei Antrieben, Stromleitungen oder Haushaltsgeräten.

Loh plädierte für Zuschüsse, damit die Verbraucher sparsamere Geräte kaufen. Wenn der Staat Ziele für den Kohlendioxidausstoß vorgebe, dann solle er auch mithelfen, dass alle diese Ziele erreichen. "Der private Kunde kauft nicht die effizientesten Geräte, sondern oft die billigsten. Also muss ich ihm Anreize geben, die Spitzentechnologie zu kaufen", forderte Loh. Auch das Öko-Institut in Freiburg plädiere für eine solche Hilfe. "Wer jetzt den falschen Kühlschrank kauft, leistet wegen dessen Lebensdauer erst wieder 2020 einen Beitrag zum Klimaschutz", sagte der ZVEI-Präsident.

Enttäuscht zeigte sich Loh von der Unterstützung durch das Bundeswirtschaftsministerium. "Der Umweltminister war aufgeschlossener, sicher auch, weil er die Zielerreichung nachweisen muss", sagte er. Als "Fürsprecher der Elektroindustrie" habe er Wirtschaftsstaatssekretär Joachim Wuermeling (CSU) "leider nicht erlebt". Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) solle den ZVEI-Vorschlag zur flächendeckenden Einführung moderner Stromzähler aufgreifen. "Schon eine genaue monatliche Stromrechnung für jeden Haushalt würde Investitionen in energiesparende Elektrogeräte und mehr Wettbewerb im Strommarkt bringen", sagte Loh.