Zwischenlager Nord

Einlagerung ostdeutscher Brennelemente vor dem Abschluss

Die atomaren Altlasten der ostdeutschen Kernkraftwerke (KKW) in Lubmin und Rheinsberg kommen unter sicheren Verschluss. Bis Mitte Juni werden die insgesamt 5283 abgebrannten Brennelemente aus den Atommeilern komplett in dem 1999 errichteten atomaren Zwischenlager Nord eingelagert sein.

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Lubmin (ddp-nrd/sm) - Das teilte die zuständige Energiewerke Nord GmbH (EWN) heute mit. Verpackt in mehr als 60 Castorbehältern soll der hochradioaktive Brennstoff bis zu einer möglichen Endlagerung mindestens 40 Jahre am Greifswalder Bodden deponiert bleiben.

Die letzten 19 von insgesamt 5037 bestrahlten Brennelementen aus Lubmin wurden am Freitag mit einem Spezialtransporter vom technologisch veralteten Nasslager zu einer Umladestelle auf dem KKW-Gelände transportiert. Voraussichtlich Anfang Juni soll der letzte beladene Castorbehälter in das neue Zwischenlager überführt werden. Die 246 Brennelemente aus Rheinsberg waren bereits vor fünf Jahren in Lubmin eingelagert worden.

Damit sei das zu DDR-Zeiten errichtete Zwischenlager frei von Kernbrennstoffen und könne in den nächsten Jahren zurückgebaut werden, sagte ein EWN-Sprecher. Auch aus den Reaktorblöcken Lubmin und Rheinsberg seien inzwischen alle Brennstoffrückstände entfernt worden.

In dem 1985 in Betrieb genommenen Nasslager waren die abgebrannten Brennelemente jahrelang in stahlverkleideten Wasserbecken verwahrt worden. Da die Anlage nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert war, wurde neben dem KKW ein fast 250 Millionen Euro teurer Komplex zur Trockenlagerung errichtet, in dem auch schwach- und mittelradioaktive Komponenten aus dem Rückbau der Kraftwerke deponiert werden. Weitere fast 1300 nicht oder nur teilweise abgebrannte Brennelemente wurden nach der Stillegung der Anlagen an KKW-Betreiber in Tschechien, Ungarn und den USA verkauft.

Unterdessen begannen Experten einer Stralsunder Spezialfirma im zehn Kilometer vom KKW entfernten Jägerhof mit einer Tiefenbohrung zur Grundwasserüberwachung. Mit der neuen Messstelle sollen Daten über die Grundwasserressourcen in 180 Metern Tiefe gesammelt werden. Das betriebseigene Wasserwerk Lodmannshagen soll künftig den steigenden Wasserbedarf durch neue Industrieansiedelungen und Wohngebiete decken.

Von Ralph Sommer