Tiefe Einschnitte

Ein schwarzes Jahr für Deutschlands Stromkonzerne

2011 war ein schwarzes Jahr für Deutschlands große Energiekonzerne. Den Kernkraftwerksbetreibern E.on, RWE, EnBW und Vattenfall brachen durch den Atomausstieg Gewinne in Milliardenhöhe weg. Doch es gab auch andere Schwierigkeiten, die nichts mit der energiepolitischen Kehrtwende zu tun hatten.

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Düsseldorf (dapd/red) - E.on und EnBW rutschten sogar in die roten Zahlen. Doch war daran nicht nur die Energiewende schuld. Auch die Schwierigkeiten im Gasgeschäft und Probleme bei Konzerntöchtern und Beteiligungen hinterließen tiefe Spuren in den Konzernbilanzen der Gas- und Stromanbieter.

E.on: Kampf an drei Fronten

Deutschlands größer Energieversorger E.on musste gleich an drei Fronten kämpfen. Allein die sofortige Stilllegung deutscher Kernkraftwerke und die Kernbrennstoffsteuer belasteten das Ergebnis mit 2,5 Milliarden Euro. Doch auch im einst lukrativen Gashandel machte der Konzern Verluste von rund 700 Millionen Euro. Denn er muss aufgrund langfristiger Lieferverträge mit den Produzentenländern für das Gas zurzeit mehr zahlen, als er selbst dafür am Markt erlösen kann.

In fast allen europäischen Märkten litt der Konzern außerdem unter Überkapazitäten und sinkenden Preisen am Strommarkt. Dadurch verdienten die Kraftwerke rund eine Milliarde Euro weniger Geld. Außerdem musste der Energiegigant rund drei Milliarden Euro an Wertberichtigungen für die zu teuer eingekauften Geschäfte in Süd- und Mitteleuropa vornehmen. Am Ende summierte sich all dies zu einem Konzernverlust von 2,2 Milliarden Euro - nach einem Gewinn von knapp 5,9 Milliarden Euro im Vorjahr.

RWE: Probleme beim Gas

Deutschlands zweitgrößtem Stromanbieter RWE blieben zwar Milliardenabschreibungen auf seine Auslandsengagements erspart. Doch sonst ist die Situation der Essener ganz ähnlich wie beim Rivalen aus dem nahen Düsseldorf. Der Atomausstieg belastete das RWE-Ergebnis nach Konzernangaben mit deutlich mehr als einer Milliarde Euro. Nicht viel geringer waren die Verluste durch die langfristigen Gaslieferverträge des Ruhrkonzerns mit Russland und anderen Ländern. Außerdem machten auch den Essenern die gesunkenen Margen in der Stromerzeugung zu schaffen. Die Folge: Der Konzerngewinn verringerte sich unter dem Strich um 1,5 Milliarden Euro.

EnBW: Tief in den roten Zahlen

Deutschlands drittgrößter Energieversorger EnBW rutschte 2011 nach einem Gewinneinbruch um rund zwei Milliarden Euro wie E.on tief in die roten Zahlen. Doch auch hier war der Atomausstieg zwar ein wichtiger Grund für den Ergebniseinbruch, aber durchaus nicht der einzige. Denn EnBW musste 2011 auch für seine Beteiligungen am Oldenburger Versorger EWE und am österreichischen Versorger EVN Wertberichtigungen in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro vornehmen. Unter dem Strich endete das Jahr deshalb für den Konzern mit einem Verlust von 867 Millionen Euro.

Vattenfall: Schweden leiden unter Energiewende

Auch der schwedische Stromanbieter Vattenfall verdiente im vergangenen Jahr aufgrund des deutschen Atomausstiegs und gesunkener Strompreise deutlich weniger. Der operative Gewinn sank um knapp ein Viertel auf 23,2 Milliarden schwedische Kronen oder umgerechnet 2,6 Milliarden Euro. Der deutsche Atomausstieg belastete den Energiekonzern mit 10,5 Milliarden Kronen (1,2 Milliarden Euro).

Doch sind sich die Konzerne einig, dass nach dem Horrorjahr 2011 die Talsohle erreicht ist. Marktführer E.on hält sie sogar schon für durchschritten und will bereits im nächsten Jahr wieder ein spürbar besseres Ergebnis erzielen.