Außerbörslicher Handel

EEX-Chef Piasko befürchtet Ende der Strombörsen in Europa

Der Präsident der Leipziger Strombörse EEX, Jacques Piasko, befürchtet ein Ende der europäischen Strombörsen und damit auch das Aus für die EEX. Da der Stromhandel außerhalb der Börsen dramatisch wachse, würden die Börsen langsam an den Rand gedrückt.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - "Bestimmend für den Strompreis wird bald nicht mehr die Börse sein, sondern der Handel, den beispielsweise Stromproduzenten mit ihren Großkunden oder auch Stadtwerke außerhalb der Börse betreiben", sagte Piasko der "Wirtschaftswoche".

Die Leipziger Strombörse war vor fünf Jahren aus der Fusion mit der Frankfurter Strombörse hervorgegangen. Sie sollte eigentlich mehr Bewegung in den von den vier Großkonzernen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall dominierten Strommarkt bringen. Der Spotmarkt in Leipzig beträgt allerdings nur noch 15 Prozent der gesamten kurzfristigen Stromverträge in der Branche, der Terminmarkt hat sich im ersten Halbjahr 2007 halbiert.

"Je mehr Stromlieferverträge außerhalb der Börse abgeschlossen werden, desto intransparenter wird der Markt. Wenn nicht die Aktionäre der Strombörsen sich zu einer sinnvollen Kooperation entschließen, könnte dies den langsamen Tod der europäischen Strombörsen bedeuten, auch der Leipziger EEX", sagte Piasko dem Wirtschaftsmagazin.

In Europa sind vor allem die skandinavische Strombörse Nordpool, die französische Powernext und die Strombörse EEX in Leipzig im Börsengeschehen vorherrschend. Daneben gibt es auch bedeutende Handelsplätze in den Niederlanden und in der Schweiz. EU-Energiekommissar Andris Piebalgs hatte sich bereits vor Wochen für den Zusammenschluss der Strombörsen ausgesprochen. Zurzeit befinden sich die EEX und die Pariser Powernext in Fusionsverhandlungen. Am 20. Oktober will der EEX-Aufsichtsrat dazu eine Entscheidung fällen.